Endspurt für die Kunitzer Hausbrücke

Hobeln der Bretter für die Verkleidung der Hausbrücke durch Mitglieder des Brückenvereins war unlängst in Kunitz angesagt. Diesmal waren Udo Süß, Werner Mautsch, Peter Krippendorf und Lothar Schlegel (v.li.) dabei. Foto: Hausdörfer
JENA-KUNITZ. Der Marathon um den Wiederaufbau der historischen Kunitzer Hausbrücke ist auf der Zielgeraden angelangt. Jetzt begann eine von der Stadt beauftragte Firma mit der Montage des Grundgerüstes inklusive Dach. Auf einer Fläche neben der Saale werden zunächst die Einzelteile zusammengebaut und dann mit einem Kran auf die noch vorhandenen Lager der während des unlängst abgeschlossenen Neuaufbaus der großen Betonbrücke genutzten Behelfsbrücke gehievt. „Die Arbeiten werden laut Bauablaufplan bis Ende Oktober dauern“, erklärt Vereinsvorstand Lothar Schlegel auf AA-Anfrage. Dadurch wird es knapp mit dem avisierten Einweihungstermin am 9. November, wenn sich die Fertigstellung des historischen Vorbildes im Jahr 1832 zum 180. Mal jährt. Der Verein hat die Aufgabe übernommen, die über 30 Meter langen Seitenwände und die Frontflächen mit Brettern zu verkleiden sowie die Eingangsbereiche mit Naturstein zu gestalten.

Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen durch die Vereinsmitglieder auf Hochtouren. Bei regelmäßigen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen werden zurzeit die Bretter gehobelt und anschließend gestrichen. „Über 300 Quadratmeter Holzbretter werden dafür benötigt“, rechnet Werner Mautsch vor, der sich ebenfalls im Vorstand des Brückenvereins engagiert. Auch die Natursteine zur Verkleidung der Brückenlager liegen schon bereit. Lothar Schlegel hat sie im Laufe des Jahres schon auf die richtige Größe geschnitten, nur die Abdecksteine bedürfen noch einer Oberflächenbearbeitung. Trotzt der engen Termine sind die Vereinsmitglieder optimistisch, dass der Einweihungstermin gehalten werden kann.

Im nächsten Jahr will der Verein noch einen Pavillon errichten, der Wanderern, die zu Fuß, per Rad oder mit dem Boot nach Kunitz kommen, als Ratplatz dienen soll. In der Mitte wird eine der ausgedienten und kürzlich durch neue ersetzten Glocken der Kunitzer Kirche ihren Platz finden.

Zur Brückengeschichte: Als im April 1829 wieder einmal eine Saalefähre bei Kunitz verunglückte und drei Studenten dabei ertranken, wurde die Notwendigkeit eines Brückenbaus auf sehr dramatische Weise sichtbar. Mit Spenden der Bürger und ansässiger Unternehmer sowie großherzoglicher Unterstützung wurde der Bau Anfang 1832 in Angriff genommen und zum Jahresende fertig gestellt. Bemerkenswert ist, dass sich die Brücke in einer für die damalige Zeit sehr kühnen Konstruktion auf einer Länge von 35 Metern ohne Zwischenpfeiler über die Saale spannte. Die Brücke nahm, bis sie 1945 kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner völlig sinnloser Weise zerstört wurde, den gesamten Verkehr zwischen Jena und Kunitz auf. Eine nach Kriegsende errichtete offene Ersatzbrücke - mit Zwischenpfeilern im Flussbett - wurde nach dem Bau der benachbarten Spannbetonbrücke 1965 abgerissen. Als vor zwei Jahren der Neuaufbau der Betonbrücke notwendig wurde, entstand für den Verkehr ungefähr an der Stelle, an der einst die Hausbrücke stand, eine Behelfsbrücke. Deren Lager können nun für den Neuaufbau der historischen Holzbrücke genutzt werden.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige