Erst nur Modell - jetzt richtige Brücke

Werner Mautsch vom Brückenverein zeigt das umfunktionierteHausbrücken-Modell im Gleistal, das jetzt Fußgängern und Radfahrern das Überqueren des Flusses "Gleise" ermöglicht. Foto: Hausdörfer
 
Der Beton für die neue große Saalebrücke ist bereits gegossen. Nach ihrer Fertigstellung kann der Mittelteil der benachbarten Behelfsbrücke wieder abgerissen und 2012 an gleicher Stelle mit dem Neuaufbau der historischen Hausbrücke begonnen werden.
Manch Jenaer wird sich an das mehrere Jahre am Leutragraben neben dem Anatomieturm stehende Modell der 1945 von der deutschen Wehrmacht zerstörten Kunitzer Hausbrücke erinnern. Aufgestellt hatte die zwar verkleinerte aber gut begehbare Nachbildung, gefertigt von den Auszubildenden des Bildungswerk Bau Hessen-Thüringen, der 2005 gegründete Brücken- und Denkmalverein Kunitz. Der Verein macht sich seitdem für den Wiederaufbau des historisch bemerkenswerten Bauwerkes als touristische Attraktion zur Nutzung für Fußgänger und Radfahrer stark. Stehen bleiben sollte das Modell am Leutragraben solange, bis die Stadtverwaltung sich zum Bau der Brücke bekennt. Das geschah 2008.

Einfach verheizen wollte jetzt der Verein das von den Jugendlichen geschaffene Modell natürlich nicht und suchte nach einem dauerhaften Aufstellungsplatz. Eine geniale, weil einen praktischen Nutzen bringende Variante, kam durch den Kontakt des Vereinsvorsitzenden Lothar Schlegel mit Graitschens Bürgermeister Ernst Preller zustande. Denn die Holzbohlen der Brücke, die den auf der Trasse der ehemaligen Gleistal-Eisenbahnstrecke (Volksmund: „Esel“) verlaufenden Radweg bei Nausnitz über den Fluss „Gleise“ führt, waren nach der Wende schon zum zweiten Mal marode und sollten ausgetauscht werden. Jetzt ist für die Flussquerung dank des überdachten Hausbrücken-Modells eine wesentlich langlebigere Lösung gefunden. Immerhin hat die Originalbrücke, so erklärte Vereinsmitglied Werner Mautsch im AA-Gespräch, vom Bau im Jahre 1832 bis zur Sprengung 1945 ohne Generalreparatur ihren Dienst geleistet. Eine kleine Beleuchtung hat sie auch erhalten und seit kurzem weist eine hölzerne Tafel auf die Entstehungsgeschichte des Bauwerkes hin.

Im kommenden Jahr soll nun der Wiederaufbau der großen Hausbrücke beginnen. Ein glücklicher Umstand für das Vorhaben war, dass sich ein Abriss und Neubau der 1965 errichteten großen Saalebrücke zwischen Jena und Kunitz notwendig machte. Die erforderliche und zurzeit genutzte Behelfsbrücke wurde auf Betreiben des Vereins 250 Meter flussaufwärts an der Stelle errichtet, an der sich einst die historische Hausbrücke befand. Die Betonlager und Vorbauten der Behelfsbrücke können nun für das Hausbrücken-Projekt genutzt werden, was erhebliche Kosten spart.

Der Bau der Brücke wird von der Stadt öffentlich ausgeschrieben, der Verein soll allerdings mit dem aus Spendenmitteln bereits gekauften Holz die Seitenverkleidungen übernehmen und auch das Umfeld gestalten. Angedacht ist u.a. ein Pavillon für Wanderer, in dem auch eine kürzlich ausrangierte und jetzt im Kirchgarten stehende Glocke der Kunitzer Kirche ihren Platz finden könnte. Perspektivisch hofft man in Kunitz auch noch auf eine Bootsanlegestelle, die Wasserwanderern ermöglichen würde, das Bauwerk und den Ort zu besuchen.

Am 2. Oktober 2011 wird der Verein das 3. Fest zum Wiederaufbau der Hausbrücke feiern, verbunden mit der Hoffnung, dass es das wirklich letzte ist und ab 2012 „richtige“ Brückenfeste steigen können.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige