Leben heißt auch sterben - neuer Verein unterstützt Palliativstation der Uni Jena

Die Vorstände des Vereins „Leben heißt auch sterben“ Holger Schmiedehausen, Claudia Koppe und Michael Wenger (v. re.) sowie Dipl.-Psychologin Christine Schleussner und Prof. Dr. Winfried Meißner von der Palliativstation des Uni-Klinikums. Foto: Hausdörfer
JENA. "Wie viele Geburtenratgeber gibt es - und wie viele Sterberatgeber?", fragt Prof. Winfried Meißner, Chefarzt in der Palliativstation des Jenaer Universitätsklinikums. Das Thema Sterben ist in unserer Gesellschaft oft mit Tabus belegt, man schreibt oder spricht nicht gerne über das für die Betroffenen und auch für die Angehörigen so einschneidende Ereignis.
Die Mitglieder des erst vor kurzem in Jena gegründeten Vereins "Leben heißt auch sterben" kennen die Problematik aus eigenem Erleben. Claudia Koppe, die Vereinsvorsitzende, erzählt von einem sehr guten Freund, der auf der Palliativstation bis zu seinem Tod betreut wurde. Vorstandsmitglied Michael Wenger schildert die letzten Monate seines schwer an Prostata-Krebs erkrankten Vaters. Dessen Wunsch, bis fast zuletzt zu Hause sein zu können, hat der der ambulante Dienst der Palliativstation ermöglicht. Hier hat er sehr gute Erfahrungen gemacht. Jede Woche sei der Vater medikamentös neu eingestellt worden, um die Schmerzen so gering wie möglich zu halten. Selbst sein Geschmackssinn sei trotz der vielen Präparate noch einmal zurückgekehrt, mit positiven Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf.
Doch es gab auch schlechte Erfahrungen. So hätte die Krankenkasse zwar die ersten zehn Hausbesuche bezahlt, doch dann war Schluss. Für Sonderwünsche der todkranken Patienten fehle das Geld ohnehin. Der Satz des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" müsse auch uneingeschränkt für das Sterben gelten, meint Michael Wenger.
Vorhandene Tabus zu brechen und eine andere Herangehensweise an das Thema befördern, sind erklärte Ziele des Vereins. Holger Schmiedehausen spricht sogar von einem "spielerischen" Umgang mit dem Thema, wenn er auf die erste große Benefizveranstaltung des Vereins hinweist.
Am 6. Oktober wird es im Fair Hotel in Lobeda-Ost zuerst ein Familienfest auf dem Parkplatz und am Abend ein Charity-Konzert in der 2500 Zuschauer fassenden Tennishalle des Hotels geben. Der gesamte Erlös kommt der Arbeit der Jenaer Palliativstation zugute.
Die auftretenden Bands "VNV Nation", "Staubkind" und aus Jena "DinA4" verzichten alle auf ihre Gage, auch das Hotel stellt die Räumlichkeiten und weitere Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung. Doch der neue Verein - die bisher acht Mitglieder haben allesamt wenig Erfahrung bei der Organisation größerer Veranstaltungen - braucht weitere Unterstützung, damit die Aktion ein Erfolg und die Spendensumme möglichst hoch wird. Neben Sponsoren, um die zwangsläufig anfallenden Unkosten zu decken, werden auch noch aktive Mitstreiter an diesem Tag gesucht, die zum Beispiel die Garderobe betreuen oder den Parkplatz aufzuräumen.
Das Konzert soll aber nur der Anfang der Unterstützung der Palliativstation sein. Mittelfristig plane man dort eine "Gute Seele des Hauses" zu finanzieren. Gemeint ist jemand, der sich, auch unabhängig von einer Bezahlung durch die Uni, viel Zeit nehmen kann für Kontakte mit den Patienten und den Angehörigen.

Tickets, Infos & Spenden:

- Karten gibt es ab sofort in der Tourist-Info, im Fair Hotel und im Campus Shop der Uni oder online unter www.tickets.vibus.de

- Infos unter www.leben-heisst-auch-sterben.de oder www.charity-jena.de

- Spenden: Konto 18031013, Sparkasse Jena, BLZ 83053030
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