Bibliotheksprojekt: Mühlhausen hat nicht nur einen schöne Bibo, sondern auch Leute, die sie nutzen - Thüringer Bibliothekspreis

Recherche analog, aber zuverlässig: Caroline, Maja, Lydia und Kira kennen sich aus. Fotos: Heyder
 
Nicht nur von außen schön: Die Bibliothek in Mühlhausen. Fotos: Axel Heyder
Mühlhausen/Thüringen: Bibliothek | Dass man bestimmte Informationen nicht aus dem Internet ziehen kann, wissen die Schüler der 9. Klasse des ev. Schulzentrums in Mühlhausen und machen derzeit wöchentlich einen Ausflug in ihre Bibliothek. Beispielsweise, wenn es um ihr ganz spezielles Projekt geht. Zusammen mit ihrer Lehrerin für Gesellschaftswissenschaften, Julia Kanngießer, sammeln sie in einem ehrgeizigen Unternehmen Zahlen und Fakten. Für lokale Orte der Verfolgung im Dritten Reich soll eine Karte erstellt werden, die später wiederum im Netz nachzulesen sein wird. So werden Medien und Bücherwissen zusammengeführt, neu verknüpft und aufbereitet.

Die im Schnitt 15 Jahre alten Schüler sind es längst gewohnt, hier zu arbeiten. Einerseits, weil sie die kostenlose Leihe von Büchern auch privat nutzen, wie Caroline, Maja, Lydia und Kira bestätigen. Und auch, weil in den vergangenen Jahren mit viel Aufwand Nachwuchsarbeit betrieben wurde. Die Schulbibliotheken erhielten Unterstützung und bereits Kindergartengruppen sind regelmäßige Bibliothekskundschaft geworden. Ausgezeichnet dafür wurde das Haus in der vergangenen Woche mit dem Thüringer Bibliothekspreis für seine Projektarbeit zur Leseförderung.

Im Regal mit der Heimatliteratur werden die jungen Forscher fündig, tragen eifrig zusammen, was es bietet und kombinieren die Informationen mit dem, was sie im Stadtarchiv erforscht haben. Informationen, die das Netz noch nicht kennt. "Die Schüler lernen eine saubere Recherche, auch in Vorbereitung auf die Seminarfacharbeit", erklärt Julia Kanngießer, die derzeit fast wöchentlich Zeit mit der Klasse in der Bibliothek verbringt. Deren Leiter Peter Rink hält das klassische Buch keineswegs für ausgedient, selbst, wenn andere Angebote wie das E-Book hinzu kämen. "Das Buch ist nach wie vor gefragt. Sorgen macht und allerdings die Altersgruppe zwischen 16 und 30 Jahren, die derzeit nur vergleichsweise wenig die Angebote nutzen."

"Ich finde Bücher einfach besser", sagt Caroline, die ohne Schulauftrag gern in die Reihe der Dramen und Romane greift. Dass es einfacher ist, im Internet zielgerichtet mit Suchbegriffen zu arbeiten, stellen die jungen Leute schnell fest. Es mache schon deutlich mehr Mühe, in Büchern genau das zu finden, was man suche. "Unsere Lehrer weisen uns regelmäßig darauf hin, den Informationen im Netz nicht immer zu trauen", sagt Kira. Auch darauf, dass die Auswahl der Internetsuche manipuliert wird. "Das Internet ist nicht zitierfähig", ergänztBibliotheksleiter Rink, der auch verrät, was mit den 10.000 Euro für den Preis passieren soll: "Wir werden sicher noch etwas in den mobilen Bücherdienst investieren." Denn vor allem ältere Leute seien zuweilen darauf angewiesen, dass nicht sie zum Buch kommen, sondern darauf, dass das Buch irgendwie zu ihnen gelangt. So agieren die fünf Mitarbeiter für alle Altersgruppen ihrer Leserschaft.

Nach einer guten Stunde ist das aufgeregte Murmeln vorbei, die Schüler haben ein paar Puzzleteile mehr gefunden für das große Ganze. Kostenlos, wie sie es aus dem Netz gewohnt sind, gehen zwar nicht die Bücher, aber deren Wissen in ihren Besitz über. In ihren Köpfen wird es unvergänglich.
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