Der Satan von Allstedt

Thomas-Müntzer-Denkmal in Mühlhausen.
Von Wolfgang Rewicki

MÜHLHAUSEN. "Wat den Eenen sin Uhl', ist den Annern sin Nachtigall." Auch wenn angesichts des nahenden Reformationsjubiläums allenthalben von Martin Luther die Rede ist, in Mühlhausen bleibt man bei Thomas Müntzer. So werden sich am kommenden Wochenende gleich drei wenngleich recht unterschiedliche Veranstaltungen dem Wirken des aufrührerischen Theologen.

Bereits zum neunten Mal wird in Mühlhausen das "Bauernkriegsspektakel" über die Bühne gehen. Am 12. und 13. Mai werden wieder einmal vor Stadtmauer auf dem kleinen Blobach die Ereignisse von 1525 in Szene gesetzt. Das volkstümliche Historiensiel wird garniert mit allerlei Markttreiben, Musik und Gaukelei.

Deutlich ernsthafter widmet sich - ebenfalls am 12. und 13. Mai - die Veranstaltung " Macht, Freiheit, Reformation - Thomas Müntzers Utopie vom Land der Freien und Gleichen" innerhalb der der Reihe "Kultur neu denken" der Rosa-Luxemburg-Stiftung dem Wirken und Nachwirken des widerspenstigen Priesters. Und das recht prominent besetzt, denn Margot Käßmann, Peter Gauweiler, Reinhard Höppner, Oskar Lafontaine und Bodo Ramelow kommen " Müntzers wegen" am 13. Mai 2012 in die Mühlhäuser Kornmarktkirche.

Mitten in der Reformationsdekade von 2007-2017, in der überall nur von Martin Luther die Rede ist, will "Kultur neu denken" unter dem Titel "Macht, Freiheit, Reformation" über den Reformator Thomas Müntzer und seine Utopie vom Land der Freien und Gleichen diskutieren.

Die Gastgeberinnen, die Vizepräsidentin des Thüringer Landtags, Dr. Birgit Klaubert und die kulturpolitische Sprecherin der LINKEN im Deutschen Bundestag, Dr. Lukrezia Jochimsen, wollen durch diese Diskussion mit den Historikern Prof. Hans-Jürgen Goertz, Prof. Dr. Günter Vogler, Thomas T. Müller und Thomas Völker und den Theologen Elfriede Begrich, Prof. Dr. Josef Freitag, Rabbiner Prof. Walter Homolka und Dr. Gregor Böckermann sowie den Politikern erörtern, wie zeitgemäß dieser verfemte, hochgejubelte und vergessene Reformator Müntzer möglicherweise ist.

Der Vorabend in der Kilianikirche ist Thomas Müntzer im Film und in der Musik gewidmet - mit dem Doku-Drama "Der Satan von Allstedt" und Liedern von Reinhold Andert.

Der Auftakt zum "Müntzer-Wochenende" allerdings ist am Freitag, dem 11. Mai, um 19.30 Uhr in der Kornmarktkirche die Eröffnung der Sonderausstellung "Der geprägte Reformator - Thomas Müntzer auf Münzen und Medaillen". Gemeinsam mit dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle, dem Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt können die Mühlhäuser Museen wiederum eine Sonderschau bieten, die sicherlich nicht nur bei einschlägig bewanderten Fachleuten und Laien, sondern auch beim breiten Publikum auf Interesse stoßen wird.

TERMINE
11. Mai, 19.30 Uhr, Kornmarktkirche
Eröffnung der Sonderausstellung "Der geprägte Reformator - Thomas Müntzer auf Münzen und Medaillen"
12./13. Mai, jeweils ab 14 Uhr, Kleiner Blobach
9. Bauernkriegsspektakel (ausführliche inhaltliche Informationen und das detaillierte Programm unter www.bauernkriegsspektakel.de)
12. Mai, 18 Uhr, Kilianikirche
"Der Satan von Allstedt" (Film von Matthias Schmidt, 2010); anschl. Diskussion; 20.30 Uhr, musikalischer Ausklang mit Reinhold Andert
13. Mai, ab 10 Uhr, Kornmarktkirche
"Kultur neu denken" - Symposium mit Elfriede Begrich, Dr. Gregor Böckermann, Prof. Dr. Josef Freitag, Dr. Peter Gauweiler, Prof. Hans-Jürgen Goertz, Dr. Michael Grisko, Rabbiner Prof. Walter Homolka, Reinhard Höppner, Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann, Thomas T. Müller, Matthias Schmidt, Prof. Dr. Günter Vogler, Thomas Völker sowie Luc Jochimsen, Birgit Klaubert, Oskar Lafontaine und Bodo Ramelow.
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