Hüter ohne Haus - Das Museum am Lindenbühl wird grundhaft saniert, doch die Museumsarbeit geht weiter

Thomas T. Müller, Direktor der Mühlhäuser Museen.
Von Wolfgang Rewicki

MÜHLHAUSEN. Jeder, der in Mühlhausen am Museum am Lindenbühl vorbei geht sieht: Da tut sich etwas. Die Umbauarbeiten sind schon seit langem in vollem Gange. Der Neorenaissancebau, 1868 bis 1871 als Gymnasium errichtet, seit 1947 festes Domizil des Mühlhäuser Museums, das aus dem 1879 gegründeten Gewerbemuseum hervorgegangen ist, wird grundhaft saniert.

Voraussichtlich bis zum kommenden Jahr wird das Museumsgebäude nicht zugänglich sein. Touristen und andere Besucher Mühlhausens muss es allerdings nicht bekümmern, dass das Museum am Lindenbühl, das Herzstück der Mühlhäuser Museen, derzeit verschlossen bleibt. Die Stadt hat mit dem Bauernkriegsmuseum Kornmarktkirche, der Müntzergedenkstätte St. Marienkirche, der Historischen Wehranlage inklusive Rabenturm und Innerem Frauentor noch genug zu bieten. Soviel, dass es über ein durchschnittliches touristisches Tagesprogramm weit hinaus geht. Und wenn das Haus am Lindenbühl erst wieder geöffnet ist, dann hat jeder einen neuerlichen Anlass zu einer Reise nach Mühlhausen.

Weiterhin sind auch die vielen museumspädagogischen Angebote der Museen ständig buchbar. Darüber und noch über vieles andere können sich Interessenten im Saisonprogramm informieren, das in den Häusern des Museums sowie in der Tourist-Information Mühlhausen erhältlich ist.

Doch was machen momentan die Museums- Mitarbeiter? Das erfährt, wer sie in ihrem Exil besucht, in der Eisenacher Landstraße 14. Dorthin, auf das Gelände des städtischen Bauhofs und der Stadtgärtnerei, sind ihre Arbeitsräume derzeit ausgelagert.

Der "Allgemeine Anzeiger” hatte Gelegenheit zu einem Gespräch mit Thomas T. Müller, dem Direktor der Mühlhäuser Museen.

Sie sind jetzt schon seit neun Monaten "im Exil". Ist unter diesen Umständen eine effiziente Arbeit in den Referaten überhaupt möglich?

Wir haben großes Glück, dass die Räumlichkeiten, die uns von der Stadt Mühlhausen zur Verfügung gestellt worden sind, für unsere Büros recht gut geeignet sind, so dass die tägliche Schreibtischarbeit auch hier gut zu erledigen ist. Schwieriger gestaltet sich hingegen die Arbeit mit den jeweiligen Beständen der Fachreferate, die ja alle aus den Depots am Lindenbühl in Zwischendepots verbracht worden sind. Hier ist es teilweise sehr schwierig, an ein bestimmtes Objekt auf die Schnelle heranzukommen.

Sind Sicherung, Überwachung und Pflege der ausgelagerten Bestände sehr aufwändig?

Sicherung und Überwachung sind vor allem kostenintensiv, da wir zusätzliche Magazine anmieten mussten und diese rund um die Uhr mit Alarmanlagen und Bestreifungen sichern müssen.

Wie hoch schätzen Sie den prozentualen Anteil Ihrer Arbeit ein, die sich mit der Neukonzeption des Museums befasst?

Die ist schlecht in Prozent anzugeben, da wir ja trotz aller Planungen und den Arbeiten an der Feinkonzeption "nebenbei" auch noch ein vollständiges Jahresprogramm auf die Beine gestellt haben, damit die Besucher trotz der Schließung des Museums am Lindenbühl nicht auf interessante Ausstellungen verzichten müssen. Aktuell dürfte der Anteil der Arbeit an der Konzeption vor allem bei unseren Archäologen am höchsten sein, da deren neue Dauerausstellung zuerst fertig werden soll. Aber auch an den anderen Abteilungen der neuen Exposition wird bereits fleißig gearbeitet.

Welche sind die wichtigsten Eckpunkte in der Neukonzeption für das Museum?

Wir verfolgen als Hauptlinie die Idee eines Stadt-Kreis- Land-Museums. Dies bedeutet, dass wir im neuen Museum am Lindenbühl exemplarisch die Vebindung unserer Sammlungen mit der Historie des Freistaates, mit dem Unstrut-Hainich-Kreis und auch mit der ehemaligen Reichsstadt Mühlhausen aufzeigen wollen. Die Verbindung zum Freistaat wird z.B. über unserer einmalige Sammlung zur Thüringer Kunst im 20. Jh. geschaffen, die Archäologie wird unter dem Titel "Unstrut-Hainich tiefgründig" die älteste Kreisgeschichte beleuchten und natürlich wird auch die Geschichte Mühlhausens auf recht ungewöhnliche Weise präsentiert werden.

Woher beziehen Sie die wichtigsten Impulse für die inhaltliche Neugestaltung Ihres Haupthauses?

Vor allem haben wir viel gelesen und in den vergangenen Jahren immer wieder besonders gut gestaltete Museen in ganz Deutschland besucht. Vielfach haben sich die Kollegen und ich aber auch im Urlaub in ausländischen Museen umgesehen. Ich bin zum Beispiel vor einigen Jahren völlig begeistert von einem Besuch im Salzburg-Museum zurückgekehrt. Ein anderer wichtiger Impuls für mich sind meine Kinder, denn nur wenn auch sie Spaß haben an einem Museumsbesuch, dann stimmt das Gesamtkonzept.

Können Sie zurzeit auch sinnvoll Forschungsarbeit betreiben?

Ich denke, unser umfangreicher Katalog zur Sonderausstellung über die Rezeption von Reformation und Bauernkrieg in der Kunst im geteilten Deutschland ist hierfür ebenso ein Beispiel wie jener Bestandskatalog über Thomas Müntzer auf Münzen und Medaillen, an dem wir derzeit intensiv arbeiten.

Sie sind zurzeit ein "Hüter ohne Haus", haben aber noch andere Häuser. Können Sie sich denen jetzt mehr widmen?

Also an Arbeit mangelt es auch in den anderen Museen nicht. So bereiten wir derzeit auch eine neue Dauerausstellung über Thomas Müntzer in der Marienkirche vor, die noch in diesem Jahr eröffnet werden soll. Auch für den Wehrgang gibt es neue Planungen. Doch bei allem steht als wichtigstes Ziel derzeit natürlich die baldige Wiedereröffnung des Museums am Lindenbühl im Vordergrund.

Sie kooperieren in diesem Jahr mit Städtischen Galerie in Meiningen und mit dem Eichsfelder Heimatmuseum in Heiligenstadt. Sind diese Kooperationen ihrem Obdachlosendasein geschuldet?

Nein. Kooperationen mit anderen Häusern, wie im Übrigen schon seit Jahren für beide Seiten sehr erfolgreich mit Bad Langensalza praktiziert, und neben den genannten demnächst auch mit dem Regionalmuseum in Bad Frankenhausen, gehören zu den wichtigen Vernetzungsaktivitäten der Mühlhäuser Museen in der Region. Ich verorte die Mühlhäuser Museen als ein wichtiges Kompetenzzentrum im Nordthüringer Raum und sehe unsere Aufgabe auch darin, die Kollegen in den kleineren Häusern, wenn dies möglich ist, bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Für wann ist die Wiedereröffnung des Museums am Lindenbühl geplant?

Die erste Sonderausstellung wird dort im September 2013 wieder im zu sehen sein. Wann wir jedoch den ersten Teil der neuen Dauerausstellung eröffnen können, ist noch völlig ungewiß. Das ist vor allem eine Frage des Geldes. Ausfinanziert sind aktuell lediglich die Restaurierungsarbeiten. Ich würde mir wünschen, dass wir allerdings vermutlich in mehreren Schritten bis 2016 eine vollständige neue Dauerausstellung haben werden.

Informationen: www.muehlhaeuser-museen.de
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