Mehr als 80 interessierte Zuhörer bei Vortragsabend über Ostpreußen-Reise

Typisch für Kaliningrad: So genannte Chrustschow-Häuser prägen die Innenstadt, daneben die Musikschule ein saniertes Gebäude, stammt aus Königsberger Zeit.
Von Leselust und Reiselust

MÜHLHAUSEN. Mit einem Reisebericht der besonderen Art bedankten sich die Veranstalter der Reihe „Leselust“ bei Elke Holzapfel, der Organisatorin mehrerer touristischer Kulturreisen ins frühere Königsberg/Ostpreußen jetzt Kaliningrad. Der Mühlhäuser Rathaushof bildete am Abend des 21. August 2013 die Kulisse für einen launigen Rückblick auf eine mehrtägige Busreise. „Einmal Königsberg und zurück“ war als Titel, nicht als Absichtserklärung, durchaus ernst gemeint, denn Wiederholungen sind, wie es hieß, mit etwas mehr Zeit für dies und das, durchaus denkbar. Rückblickend auf Geografie- und Geschichtskenntnisse, mit einem weit gespannten Rahmen des Interesses an der Kultur Ostpreußens ging der Reisebericht von Wolfgang Senz und Hans-Gerd Jöring über Danzig und Marienburg schließlich nach Königsberg. Doch wie kam es dazu? Elke Holzapfel hatte von Landtagskollegin Christina Tasch vom Dörfchen Mühlhausen, jetzt Gwardejskoje, erfahren und der dortigen Kirche. Einst bekannt als schönste Landkirche Ostpreußens, mit historisch wertvollen Kunst- und Kulturschätzen, ist die verbliebene bauliche Hülle, trotz begonnener Restaurierung, in einem traurigen Zustand. Martin Luthers Tochter Margarete von Kunheim war einst hier Patronin, was die Kirche letztlich nicht vor den Beutekommandos der Roten Armee schützte. Lebensgroße Gemälde von Luther und seiner Tochter gemalt von Lucas Cranach d. J. verschwanden 1945 ebenso wie wertvolle Dokumente und Gegenstände. Die kunstvolle hölzerne Innenausstattung wurde in der Bäckerei verbrannt.
Beeindruckt von den vielen historischen Verbindungen zwischen ihrem heimatlichen Mühlhausen und der Region um Königsberg, wie Deutscher Orden, Kirchenmusiker Johannes Eccard, Architekt Friedrich August Stüler uvm. reiste Elke Holzapfel nach Kaliningrad. Neben vielen persönlichen Kontakten hat sie inzwischen politische Beziehungen angeknüpft, aber auch kulturelle Ereignisse organisiert, deren vorläufiger Höhepunkt ein Konzert von Thüringer Künstlern im Königsberger Dom im nächsten Jahr sein wird.
Der Reisebericht war mehr als eine Aneinanderreihung von persönlichen Eindrücken, teils abenteuerlich anmutend, immer unterhaltsam und mit viel Humor gewürzt, eine Rückschau auf ein unvergessliches Erlebnis. Dabei hat sich mancher, so, wie Elke Holzapfel, ein bisschen in Land und Leute verliebt. Das große Interesse an Ostpreußen, sowohl an den Reisen, als auch am Reisebericht der „Leselust“ liegt wohl auch daran, dass das Gebiet lange komplett Sperrgebiet war und auch heute nicht einfach zu bereisen ist. Elke Holzapfel: „Umso wichtiger ist es, den Menschen zu zeigen, dass Europa sie nicht vergessen hat.“
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