Nach Strich und Faden

Lilo Mielke mit einem selbst angefertigtem Stickmustertuch.

Kostbare Miniaturen im Stadtmuseum Bad Langensalza


Von Wolfgang Rewicki


BAD LANGENSALZA. „Langes Fädchen, faules Mädchen!“ Wer hat nicht schon diesen Satz gehört, zumeist von Mutter oder Großmutter. Freilich hat ein langer Faden beim Nähen im Allgemeinen und bei der Stickerei im Besonderen mit Faulheit nicht viel zu tun. Aber was zunächst praktisch erscheint, nämlich ein langer Faden, ist nur auf den ersten Blick von Vorteil. Man hat zwar weniger zu vernähen, doch bringt ein langer Faden jede Menge Nachteile mit sich: Er knotet leichter, man hat (zumindest am Anfang) viel Faden durchzuziehen (dadurch geht die Arbeit langsamer voran), und - das ist das Wichtigste - der Faden verliert seinen natürlichen Glanz und wird rau. Dadurch wirkt die Oberfläche unregelmäßig und unschön.

Einige Frauen, die solches wissen und selbstverständlich auch beherzigen, stellen zurzeit im Bad Langensalzaer Stadtmuseum etliche ihrer Handarbeiten aus. Neben den vielen eigenen Exponaten des Museums, die den Grundstock dieser aktuellen Ausstellung bilden. „Aus Schrank und Truhe - Handarbeiten“, so der Titel dieser gut sortierten Sonderschau, zeigt erstmals insbesondere aufwändig bestickte Haushaltswäsche, die in den vergangenen 200 Jahren entstanden ist. Daneben auch Trachten, alte Werkzeuge und etliches mehr aus dem stofflichen Bereich.

Eine der Leihgeberinnen, Liselotte Mielke aus Bad Langensalza, eine gelernte Kammgarnspinnerin, ist nicht nur von Berufs wegen mit der Materie bestens vertraut, seit gut 45 Jahren widmet sie sich auch in ihrer Freizeit der kreativen Handarbeit mit Nadel und Faden. Zunächst ging es ihr um den Eigenbedarf an nützlichen textilen Dingen - „So hat man auch immer was zum Verschenken.“ - später wurde ein Hobby daraus. Dem sie bis heute gemeinsam mit gleichgesinnten Frauen in dem Kurs „Textiles Gestalten“ nachgeht. Wieso? „Ich möchte einfach alles können und die verschiedenen, zum Teil sehr alten Techniken demonstrieren.“ Damit hat sie durchaus auch Erfolg gehabt. Bei ihren beiden Töchtern zum Beispiel, die ebenfalls geschickt mit Nadel und Faden umzugehen wissen.

Doch wozu stellt man beispielsweise ein so genanntes Stickmustertuch her? Mit diesem eben werden unterschiedliche Techniken dar- und die Fertigkeiten der Stickerin unter Beweis gestellt. Anders gesagt: Wer so etwas kann, beherrscht sein Handwerk wirklich. Sie dienten ferner sowohl zum Erlernen und Üben der Sticktechnik als auch zum Merken und Überliefern des Motivrepertoires; ihre Anfertigung war lange Zeit fester Bestandteil der familiären und schulischen Mädchenerziehung. Meist enthalten sie zudem ein Entstehungsdatum und auch den Namen der Verfertigerin. Eine sehenswerte Ausstellung? Auf jeden Fall. Da beißt die Maus kein' Faden ab!


Sonderausstellung „Aus Schrank und Truhe - Handarbeiten“ Textile Schätze aus der Sammlung des Stadtmuseums Bad Langensalza und aus Privatbesitz (noch bis 19. Mai 2013)
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