Schwanenfamilie von Mühlhäusern adoptiert

Im Schwanenmarsch: Tag für Tag ist die komplette Familie Schwan im Wohn­gebiet unterwegs. Fotos: Götze (Foto: Foto: Claudia Götze)
 

Unterwegs im Watschelgang: Achtköpfige "Familie Schwan" fühlt sich im Stadtviertel entlang der Unstrut in Mühlhausen tierisch wohl

Von Claudia Götze

Diese Familie Schwan hat kein Klingelschild und auch keinen Mietvertrag. Trotzdem ist sie daheim im Mühlhäuser Wohngebiet an der Unstrut. Ob im Fluss, am Ufer oder auf dem Spielplatz. Die acht Familienmitglieder treten seit mehr als sechs Wochen immer zusammen auf: das Elternpaar und sechs kleine Schwäne – fünf graue und ein weißer. Weil Schwäne nicht nur Sümpfe und flache Seen lieben, fühlen sie sich auch an langsam fließenden Flüssen wie der Unstrut zuhause. Wichtig ist nur, dass der Grund des Flusses gut erreichbar ist.

 Die Mühlhäuser haben die gefiederten Tiere ins Herz geschlossen. Fast jeder im Wohngebiet kann mittlerweile etwas über die neuen Bewohner sagen. Diese werden einfach nur „Familie Schwan“ genannt. Mal ist der Familien­clan auf dem Spielplatz, mal mitten auf der Straße. Mal überquert er im Gänsemarsch den Parkplatz, mal den Radweg. Ist die Familie auf dem Fluss oder auf Landgang, schwimmt oder geht ein Elternteil voran und das andere am Ende der Kolonne. Ihre Schlafstelle haben die Schwäne in einem Häuser­eck gefunden. Dort verbringt das Federvieh die Nacht.

 Zu nah darf man den eleganten Tieren wirklich nicht kommen. Das mussten einige Spaziergänger schon schmerzhaft erfahren. Wer mit dem Fotoapparat oder Handy zu dicht herankommt, wird schnell mal gebissen. Denn auch Höckerschwäne verteidigen ihre Jungen mit Energie. Diese beweisen sie auch an jedem frühen ­Nachmittag, wenn die ganze Sippe am Fenster einer besonders tierlieben Bewohnerin erscheint. Erst wird mit dem Schnabel gegen das Mauerwerk geschlagen und dann zur Sicherheit noch lautstark krakeelt. Jeden Tag! Wenn dann die Brotkrumen geworfen werden, ist die Schwanen-welt in Ordnung.

 Schwäne ernähren sich hauptsächlich von Wasserpflanzen, die vom Gewässergrund geholt werden. Wenn sie an Land gehen, fressen sie auch am Ufer wachsende Pflanzen. An der nachmittäglichen Brot-­Futterstelle beispielsweise hat Familie Schwan den Rasen mittlerweile komplett abgefressen.

 Gebrütet hatten die Weißfedern an der Ammerbrücke. Experten sagen, dass sich Schwanpaare fürs ganze Leben binden. Die meisten Schwäne sind Einzelgänger, deshalb verteidigen Höckerschwäne normalerweise erbittert ihr Revier. Im Moment ist Familie Schwan jedoch allein zu Haus an der Unstrut. Für Rivalitäten Da normalerweise ein Paar dasselbe Nest immer wieder nutzt, kann es sein, dass Papa und Mama Schwan demnächst wieder hier brüten. Bis dahin bleiben die Kinder „Schwan“ bei den Eltern „Schwan“. Sie sie flügge und gehen sie eigene Wege.

 Dass entlang der Unstrut immer noch alle sechs kleine Schwäne die Mühlhäuser entzücken, das haben sie auch einem 15-Jährigen zu verdanken. Sebastian Fischer hat vor wenigen Wochen ein Schwanjunges vor der Attacke zweier Krähen gerettet und die Angreifer erfolgreich verscheucht. Die Mühlhäuser Feuerwehr brachte das Tier in Sicherheit, zur Tierklinik und dann wieder zurück in die Nähe des Nestes.Die Wiedereingliederung scheint geklappt zu haben.
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