28 Monate Haft für Mühlhäuser, der immer wieder ein iPhone im Internet verkauft, das es gar nicht gab

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Diese Betrugsmasche hatte spürbare Folgen für einen Mühlhäuser, der für 30 nachgewiesene Fälle ins Gefängnis muss. Über verschiedene Internetseiten bot der Dachdecker 2010 und 2011 hochwerte iPhones zu einem günstigen Preis an. Die Käufer kauften oder zahlten an. Mindestens 200 meist aber deutlich mehr Euro verdiente der 26-Jährige bei jedem Geschäft - manchmal auch über 1000 Euro. Nämlich dann, wenn er noch eins drauflegte und zwei oder gar drei Geräte zu einem günstigen Preis anbot.

Was die Kunden aus ganz Deutschland nicht wussten: Diese iPhones gab es gar nicht. Manchmal gab es auch den Verkäufer nicht - der wegen Betrugs angeklagte Mann hatte auch unter falschem Namen und falscher Adresse verkauft. Nur die Kontoverbindungen stimmten - er nutzte vier verschiedene Banken.

Dass der Sitz der Bank und die Adresse des Käufers räumlich sehr weit auseinanderlagen, hätte vielleicht ein Hinweis für die Geschädigten sein können. Innerhalb weniger Monate kassierte der Mühlhäuser mehr als 10 000 Euro. Er hat weder geliefert noch das Geld zurückgezahlt, gab er im Prozess vor dem Amtsgericht Mühlhausen zu.

Für ihn erschwerend ist, dass er unter Bewährungsauflagen stand und immer wieder wegen der Ableistung der Arbeitsstunden angemahnt wurde. Mal beantragte er deren Umwandlung in eine Geldauflage, mal bat er um Fristverlängerung. Die Bewährungshelferin fühlte sich vertröstet.

Der zuständige Staatsanwalt formulierte es etwas deutlicher: Er machte einen Aktenvermerk, wonach zweieinhalb Jahre nichts passiert und er sich "verarscht" fühle. Denn der Mann machte zwar keine Stunden, weil er krank und nicht in der Lage dazu sei. Parallel dazu beging er aber mit hoher krimineller Energie diese Betrügereien. Die sei auch nur die Spitze des Eisbergs, sagte der zuständige Strafrichter Rüdiger Richel. "Ich habe das nicht allein gemacht und das Geld geteilt", sagte der Angeklagte, als es im Prozess im enger wurde. Er sei krank und könne nicht arbeiten. Die von ihm genannte Diagnose klang grausam, fand sich in den Attesten aber nur einmal als Verdacht formuliert - nirgendwo als bestätigte Diagnose.

Der Staatsanwalt forderte zweieinhalb Jahre Haft. Das Schöffengericht blieb mit 28 Monaten geringfügig darunter. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft war der Mann im Juli 2011 für eine Woche inhaftiert worden, um die Straftatenserie zu stoppen und weitere Menschen vor dem Kauf eines nicht existenten iPhones zu bewahren.
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