Aus Reiselust oft ohne Ticket unterwegs: Notorischer Schwarzfahrer muss weitere sechs Monate in Haft - er wollte die Städte kennen lernen

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Kassel, Göttingen, Fulda, München, Essen, Duisburg und Mannheim. Weil er im Herbst 2011 innerhalb eines Monates deutschlandweit neun Mal ohne Ticket in der Bahn erwischt wurde, ist ein 25-Jähriger zu weiteren sechs Monaten Haft wegen Erschleichens von Leistungen verurteilt worden. Nach dem Widerruf einer Bewährungsstrafe aus vergleichbarem Grund muss er sowie bis Ende 2013 im Gefängnis bleiben. Die sechs Monate Haft werden seinen Knastaufenthalt bis Frühjahr 2014 verlängern. Der Mühlhäuser war im November festgenommen worden.

Ansonsten wäre er kostenfrei weiter gereist. Er wolle unterwegs sein und die Städte kennenlernen. Er "spüre eine Reiselust", sagte er vor dem Amtsgericht Mühlhausen Strafrichter Thomas Linß, der ihn bereits zum dritten Mal wegen Schwarzfahrens verurteilte. Im Vorjahr stand er deswegen drei Mal vor verschiedenen Gerichten. An einem Septembertag wollte auch das Amtsgericht Karlsruhe gegen ihn verhandeln. Der Mühlhäuser war auch unterwegs - aber eben nicht zum Gerichtstermin, sondern in Mitteldeutschland auf Gratis- Entdeckungstour mit Bahn. Der Mann beschäftigt mehrere Staatsanwaltschaften. Allein 93 Einträge gibt es in Mühlhausen. Doch auch die Staatsanwaltschaft Innsbruck meldete sich schon.

Dabei ging es oft nicht nur ums Leistungserschleichen, sondern auch um Betrug. Denn je weiter die Reise geht, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Mann kostenlos in einem Hotel einnistet. Das bescherte ihm schon mehrere Verurteilungen wegen Betruges. Europaweit ist er bereits in Erscheinung getreten. In Paris, in Berlin in der U-Bahn, an Nord- und Ostsee und in der Schweiz. Immer ohne Ticket und Geld in der Tasche. Er habe einen Betreuer und kein Geld, ist zumeist die Rechtfertigung des Mannes gewesen. In einem Fall ist ihm wohl auch das Geld für die Rückfahrt nach Mühlhausen gegeben worden. Einige Stationen vor dem Ziel stieg er in einen anderen Zug um und setzte seine Entdeckungsreise fort.

"Er setzt sich in den Zug, fuhr davon und zahlte nicht. Dieses Verhalten kann auch aus der gutachterlich festgestellten Persönlichkeitsstörung herrühren", machte die Staatsanwältin klar. Bezahlen muss er dennoch - mittlerweile mit seiner Freiheit. Sein jetziger erster Knastaufenthalt macht ihm sehr zu schaffen, er sei fest entschlossen, nach der Entlassung in einer betreuten Wohnung zu leben und in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten. "Hören sie auf damit", gab ihm Linß in der Urteilsverkündung auf den Weg. Er mache den Leuten nur Arbeit. Für eine Bewährungschance reiche die demonstrierte Einsicht allerdings nicht.
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