Ben im Jagdfieber Familienhund verfolgte Reh und biss es tot - 150 Euro Bußgeld fürs Frauchen

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Dieser Spaziergang in der freien Natur im April 2011 endete mit großem Ärger. Eine junge Frau aus einer Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis wollte mit Hund und Kinderwagen mit vier Monate altem Baby einen ausgiebigen Spaziergang machen. Weit außerhalb des Ortsrandes ließ sie Familienhund "Ben" ahnungslos frei laufen. Das ging so lange gut, bis plötzlich aus einem Graben ein Reh unterm Schilf hochschoss. Den Hund packte das Jagdfieber, er verfolgte das Reh. Frauchen rief und rief - Ben hörte einfach nicht. Er hatte wichtigeres vor der Nase.

Irgendwann kehrte der altdeutsche Schäferhund zu Frauchen zurück. "Er war erschöpft, ich nahm ihn an die Leine. Wir liefen wieder nach Hause", erinnerte sich die Hundebesitzerin vor dem Amtsgericht Mühlhausen. Dort wurde ihr Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid von 300 Euro wegen vier Verstößen gegen verschiedene Gesetze und Verordnungen verhandelt. Diese Verstöße drehten sich nicht nur ums Jagdfieber des Hundes sondern auch um die spätere Begegnung mit dem Jagdpächter. Den ihr bis dato unbekannten Mann traf die Frau noch auf dem Nachhauseweg. Er habe sie angebrüllt und gedroht, ihren Hund zu erschießen, gab sie die sehr emotionalen Momente zu Protokoll. Er warf ihr vor, "gewildert" zu haben und verlangte ihre Personalien.

Da sie den Mann nicht kannte, verweigerte sie persönliche Angaben und handelte sich damit ein weiteres Bußgeld ein. Denn der Jagdpächter war als Kontrollorgan berechtigt, entsprechende Abgaben abzufragen. Tatsächlich hatte Ben das Reh eingeholt und tot gebissen. Passiert ist das nur, weil Frauchen ihren Liebling nicht im Griff hatte. Sie hätte ihn anleinen müssen, weil es in so einer Situation kaum möglich ist, einen Hund im Zaume zu halten. Unklar blieb, ob das Reh krank war. Es war nicht untersucht worden. Das Amtsgericht Mühlhausen verringerte das Bußgeld von ursprünglich 300 auf 150 Euro. Die Betroffene habe fahrlässig gehandelt und habe aber unabsichtlich gegenüber dem ihr unbekannten Jagdpächter ihre Personalien nicht preisgegeben. Für Richter Rüdiger Richel war wichtig, dass die Betroffene und der Jagdpächter nach der Verhandlung versöhnlich auseinandergingen Die betreffende Gemeinde hat nach dem Vorfall reagiert und im Amtsblatt auf die Anleinpflicht insbesondere in der Setzzeit aufmerksam gemacht.
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