Fracksausen nach Unfallflucht: Vor dem Amtsgericht Mühlhausen war ein 22-Jähriger wegen seiner Fahrerlaubnis auf Kompromisssuche

Mühlhausen/Thüringen: Amtsgericht | Nach einer Unfallflucht im März 2011 soll ein 22-Jähriger 900 Euro Strafe zahlen und zwei Monate auf den Führerschein verzichten. Damit hat er aber ein Problem, denn er ist auf Jobsuche. Wird das Urteil rechtskräftig, muss er sofort das Auto stehen lassen. Also wird er Berufung einlegen, obwohl er mit der eigentlich milden Strafe gut leben könnte. Ein derartiges Rechtsmittel, ob man es nun ernst meint oder nicht, kostet wiederum Geld, das er im Moment erst noch verdienen und dafür auch nicht ausgeben will. Er sei auf Kompromisssuche und brauche einen Monat Zeit, sagte er dem Strafrichter am Amtsgericht Mühlhausen.

Aussuchen, wann er die Fahrerlaubnis abgibt, könne er sich nicht, machte ihm der Richter klar. Ist das Urteil rechtskräftig, gilt das Fahrverbot. Hauptproblem für den Angeklagten ist, dass er sich für die autolose Zeit eine Wohnung am neuen Arbeitsort suchen muss. Ob er die Bleibe so schnell findet, konnte er im Strafprozess nicht sagen. Dort legte er ein Geständnis ab und hoffte auf Gnade. Im ursprünglich ergangenen Strafbefehl standen 1.500 Euro Strafe und drei Monate Fahrverbot. Davon ist er runter - auch wegen seines Geständnisses. Demnach war nach einem Unfall mit einem Schaden von fast 1.000 Euro abgehauen - statt zu warten und sich zu kümmern. Gemerkt habe er den Anstoß wegen der lauten Musik nicht.

Erst zu Hause sah er das Dilemma und habe "Fracksausen" bekommen. Trotzdem habe er den Vorfall nicht gemeldet. Passanten hatten alles beobachtet, die Kfz-Nummer notiert und angezeigt. Plötzlich stand die Polizei vor der Tür. Das Urteil wurde trotz inhaltlicher Akzeptanz nicht rechtskräftig.

Das Mühlhäuser Amtsgericht wird in den nächsten Tagen eine Berufungserklärung erhalten und den Fall ans Landgericht abgeben. In einigen Wochen wird dort eine Berufungsverhandlung anberaumt und ein Termin festgelegt. Spätestens dann muss der Verurteilte dann die Rücknahme seiner eigentlich nicht gewollten Berufung erklären. "Sonst wird es teuer", sagte Strafrichter Thomas Linß. Kostenlos sei es im Rücknahme-Fall auch nicht, erklärte er dem Angeklagten. Schließlich habe er Justitia arbeiten lassen.
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