Gerichtsbericht: Pech mit dem Wunsch-Drahtesel

Mühlhausen/Thüringen: Landgericht Mühlhausen | Fast fünf Monate hatte er regelmäßig nach "seinem" Fahrrad geschaut. Die Besitzer eines Fachgeschäftes in Mühlhausen kannten diesen Kunden von wiederholten Besuchen. Anfang März 2011 tauchte er wieder auf. Eigentlich zum Nachschauen. Der 42-Jährige bemerkte, dass "sein" Drahtesel nicht mehr da stand, wo er ihn immer begutachtet hatte. Im ganzen Laden fand sich das Gebrauchtrad nicht. Es war verkauft.

Ein ganz normaler Vorgang für einen Händler. Nicht aber für den Möchtegern-Käufer. Dem fehlten über viele Wochen die Entschlossenheit und das Geld für den fahrbaren Untersatz. Solange das Wunschmodell noch im Geschäft stand, war die Welt für ihn anscheinend in Ordnung. Das änderte sich an jenem Freitag. Die Geschäftsinhaberin hatte Schwierigkeiten, dem Kunden klarzumachen, dass er kein Anrecht auf das Rad hatte. Er habe weder eine Anzahlung geleistet noch eine Reservierung erbeten. Mit Engelszungen redete sie auf ihn ein. Der Ladenschluss nahte. Der Mann verließ widerwillig das Geschäft.

Am nächsten Morgen tauchte er wieder auf. Da war die Geduld am Ende. Die Frau rief die Polizei. Zwei Beamtinnen kamen, die Ladeninhaberin sprach dem uneinsichtigen Mann Hausverbot aus und war ihn erst einmal los. Allerdings nur für eine Stunde. Dann stand er wieder da, forderte "sein" Fahrrad und ließ sich auch nicht mit einem anderen Angebot trösten. Erneut wurde die Polizei gerufen. Auf der Inspektion entschloss man sich, dieses Mal zwei Männer zu schicken. Denen gelang es, den unerwünschten Eindringling endgültig rauszuschmeißen.

Das Ganze hatte für den enttäuschten Kunden ein juristisches Nachspiel. Er saß wegen Hausfriedenbruchs auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Mühlhausen. In einem weiteren Anklagevorwurf ging es um einen Schlag gegen die eigene Schwester. Die Attacke bei sich in der Wohnung gab er zu. Dass es im Fahrradladen ein Hausverbot gegeben haben soll, bestritt er. Strafrichter Thomas Linß fragte ihn nach einem Betreuer. Mit dem habe er sich nicht mehr verstanden und deshalb die Zusammenarbeit gekündigt. Linß erkundigte sich nach dem letzten psychiatrischen Gutachten. Das war von 2006. Für einen aktuellen Urteilsspruch muss das aktualisiert werden. Vor allem aber festgestellt werden, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig ist. Das Verfahren wurde darum ausgesetzt.
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