Haftbefehl gleich nach Urteilsverkündung - Mühlhäuser Landgericht sah nach Stock-Attacke Wiederholungsgefahr und schloss einen 53-Jährigen weg

Von Carola Mühlner. Ganz überraschend kam der Haftbefehl vor dem Landgericht Mühlhausen dann doch nicht. Schon in der Pause zwischen Plädoyers und Urteilsverkündung fragte der Bruder des Angeklagten vorsichtshalber, was aus dessen Tieren würde. Das Urteil zu 28 Monaten Haft war absehbar. Dass die Handschellen anschließend sofort klickten nicht unbedingt. Die Anwesenheit mehrerer Polizisten deutete dann aber in die Richtung: Der 53-Jährige aus dem Unstrut-Hainich-Kreis durfte den Gerichtsaal nicht mehr als freier Mann verlassen. Die Richter begründeten ihre Entscheidung mit der Höhe des Strafmaßes und der Wiederholungsgefahr.

Aus Rache hatte der Verurteilte im Oktober 2009 den Geschädigten auf einem Dorfanger mit einem stockähnlichen Gegenstand mehrfach gegen den Kopf geschlagen, bis der zu Boden ging. Das Opfer erlitt schwere Kopfverletzungen, die bis heute nicht ausgeheilt sind. Der niedergeschlagene Mann hatte Glück, dass die Blutung nach den lebensbedrohlichen Schlägen nicht stärker war. "Wir hätten dann über Totschlag vor einer anderen Strafkammer verhandelt", machte der Vorsitzende Richter Robert Retzer klar.

Bleibende Schäden durch Hirnblutungen seien trotzdem die Folgen. "Sie wollten ihm Schmerzen zufügen", so Retzer in der Urteilsbegründung. Zwischen Täter und Opfer gebe es seit Jahren Auseinandersetzungen. Der Angeklagte mache den Geschädigten, der im Prozess als Nebenkläger vertreten war, für zwei verheerende Brände auf seinem Hof verantwortlich. "Er sieht sich um die Früchte seines Lebens gebracht".

Der vorbestrafte und zur Tatzeit unter Bewährungsauflagen stehende Angeklagte hatte das Opfer zur Rede stellen wollen. Bei einem Vorfall im Jahre 2007 hatte der Angeklagte das gleiche Opfer mit einem Holzrechen in einen eiskalten Weiher getrieben, wo er bereits bis zum Hals im Wasser stand und zu ertrinken drohte. Der psychiatrische Gutachter hatte dem Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung attestiert - darunter auch ein Verbitterungssyndrom.

Das ursprüngliche Urteil des Mühlhäuser Amtsgerichtes von 34 Monaten war von der Berufungskammer abgemildert worden, weil es für eine ebenfalls angeklagte versuchte räuberische Erpressung keine ausreichenden Anhaltspunkte gab. Mit dem Haftbefehl scheint das Thema für den Geschädigten trotzdem nicht vom Tisch zu sein. Der Bruder des Angeklagten sprach noch im Gerichtssaal eine unmissverständliche Drohung aus - für den Fall, dass der Nebenkläger ihm über den Weg laufe.
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