Kein Behandlungsfehler: Patient verlor vor einer Narkose zwei Schneidezähne und verklagte die Klinik auf Schmerzensgeld

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Eine Mühlhäuser Klinik muss nicht für den Zahnverlust eines ordnungsgemäß behandelten Patienten haften. Das Amtsgericht Mühlhausen hat die Klage eines Mannes abgewiesen, der nach dem Verlust zweier Schneidezähne 2000 Euro Schmerzensgeld und 200 Euro Schadenersatz gefordert hatte. "Es gibt keine Beweise für einen Behandlungsfehler", begründete Zivilrichter Uwe Gödicke die Klageabweisung. Der Kläger habe nicht nachweisen können, dass ihm die Zähne durch Fremdeinwirkung bei der Narkose abhanden gekommen seien.

Der Patient hat sich im April 2010 in der Klinik am Knie operieren lassen und bei der Mundöffnung zwecks Narkose zwei Schneidezähne verloren. Noch bevor die Maske aufgesetzt worden ist, seien die Zähne herausgefallen, hatte der ebenfalls beklagte Chefarzt in der Beweisaufnahme erklärt. "Zum Glück fielen sie heraus und auf den Boden", fügte der Mediziner hinzu. Der nicht alltägliche Vorfall sei ihm noch gut in Erinnerung: Die Zähne habe man aufgesammelt und in eine Tüte gesteckt. Er habe den Patienten im Aufwachraum besucht.

Warum er sich bei ihm entschuldigte, wollte der Kläger wissen. Das Ganze sei einfach eine außergewöhnliche Situation gewesen. Eine Zahnschädigung durch die Klinik könne er aber ausschließen, weil nicht intubiert, sondern nur eine weiche Maske zur Sauerstoffversorgung verwendet worden sei. Da sei auch keine Gewalt angewendet worden. Der Mund werde mit der Hand leicht geöffnet, und da hätten sich die Zähne schon gelockert. Ohne Blutung seien sie mit dem Ansatz rausgefallen. Der Vorgang sei im Protokoll vermerkt und auch der Versicherung gemeldet worden.

Der Patient besaß zum Zeitpunkt der Operation ohnehin nur noch wenige Zähne, ergab eine Untersuchung. Dass zwei davon locker sind, hatte der Kläger im Aufnahmeprotokoll nicht angekreuzt, wo nach lockeren Zähnen, Karies und Zahnersatz gefragt wird. Der Patient setzte das Kreuz jeweils bei "nein".

Wann er das letzte Mal vor der Operation beim Zahnarzt war, konnte er in der Beweisaufnahme nicht sagen. Zur strittigen Situation des Zahnverlustes konnte er auch nicht sagen, da schlief er schon. Nach Angaben seines Anwaltes sei er bei Klageeinreichung davon ausgegangen, dass intubiert und dabei der Mandant im Oberkieferbereich verletzt worden sei.
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