Mordprozess: Vier Geliebte nebenher

Mühlhausen/Thüringen: Landgericht Mühlhausen | Vier Geliebte, drei Kinder, zwei Wohnanschriften und eine Ehefrau. Mindestens vier Jahre lang hat der Eichsfelder ein Doppelleben geführt, das in der Katastrophe endete. Der 36- Jährige muss sich wegen Mordes und Schwangerschaftsabbruches vor dem Landgericht Mühlhausen verantworten. Er soll kurz vor Weihnachten 2010 eine 33-Jährige mit den Fäusten totgeschlagen haben. Die Geliebte aus dem Unstrut- Hainich-Kreis war schwanger, wollte eine Scheidung und ihn mit keiner anderen Frau teilen.

"Sie wollte immer Sachen, die ich nicht wollte", erklärte der zuletzt arbeitslose Maurer den Grund für den tödlichen Streit. Er sollte zu ihr ziehen und sein Auto ummelden. Allen Frauen soll er erklärt haben, er sei auf Montage. Er und die Getötete sahen sich nur alle sechs bis neun Wochen - er sei immer unangemeldet gekommen. Warum er so lebte, verriet er zu Prozessauftakt nicht. Tabletten hätten ihm geholfen, sein kompliziertes Leben zu ertragen und Probleme zu verdrängen.

In der Woche vor Weihnachten hatte die später getötete Frau wohl vom Doppelleben erfahren und ihn zur Rede gestellt. Am Abend vor der Tatnacht war er bei ihr, sie stritten und schliefen miteinander. Dann brachen beide auf in Richtung Harz, wo er wohnte. Sie dachte wohl, er fahre mit ihr zu seiner Frau. Stattdessen landeten sie auf einem Parkplatz, wo das Grauen begann. Einer verbalen Auseinandersetzung folgten Handgreiflichkeiten. Sie boxte, er schlug.

"Es ging hin und her. Dann war alles ruhig. Sie lag am Boden und bewegte sich nicht mehr", sagte der Angeklagte. Er zog sie zu einem nahen Wäldchen in der Nähe. Mit Zweigen verdeckte er ihren Körper. Die Frau war aufgrund Hals- und Brustkorbverletzungen erstickt. Sie habe von Anfang an gewusst, dass er verheiratet sei, gab er unter Tränen zu Protokoll. "Es ist doch schlimm genug, dass es überhaupt passiert ist", sagte er am ersten Prozesstag. Mehr Reue war nicht von ihm zu hören. Er sprach von einem "normalen Gespräch, das außer Kontrolle geraten ist".

Die Staatsanwältin sah das anders: "Mord aus niedrigen Beweggründen" steht in der Anklageschrift. Plus Schwangerschaftsabbruch - die Frau trug ein Kind im Leibe. Zeitgleich war auch seine Ehefrau schwanger - das Kind kam im März 2011 zur Welt.

Nach der Tat verbrachte er einen Tag in der Wohnung des Opfers und reiste dann zur nächsten Geliebten. Mit SMS vom Handy der Toten legte er zudem falsche Spuren. Darin teilte sie mit, dass sie in Dänemark mit neuem Freund ein neues Leben beginnen wollte. "Sucht nicht nach mir", so die Botschaft an Familie und Bekannte. Der Vater der jungen Frau roch den Braten und gab eine Vermisstenanzeige auf. Als der Angeklagte einen Tag vor Heiligenabend unterwegs war, um mit der Familie Weihnachten zu feiern, wurde er festgenommen. Der Prozess geht weiter.
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