Schläge in der Backstube: Mehrjährige Haftstrafe für Erfurter Räubertrio – Überfallener Bäckermeister erst einmal erleichtert

Das Opfer: Der Bäckermeister Axel Bergfeld aus Kirchheilingen kann noch keinen endgültigen Schlussstrich ziehen.
Von Carola Mühlner MÜHLHAUSEN. Das Urteil sei in Ordnung, auch die mehrfachen Entschuldigungen. Trotzdem war die Verkündung von mehrjährigen Haftstrafen aus Sicht des überfallenen Bäckermeisters aus Kirchheilingen im Unstrut- Hainich-Kreis nur ein "einfacher Schlussstrich". Richtig einen Haken dran machen könne er erst nach dem noch ausstehenden Verfahren - gegen den vierten Angeklagten - das zu Prozessbeginn abgetrennt wurde.

Der 21-Jährige, der regelmäßig die mit ihm befreundete Auszubildende von der Arbeit abholte, hatte seinen Kumpels verraten, wo die angeblichen Reichtümer des Bäckers lagern. Im Tresor des Büros vermuteten die drei Erfurter mehrere Tausend Euro - ideal für ihre Geldnot.

Nach ihrem brutalen Vorgehen müssen sie alle für mehrere Jahre ins Gefängnis. Mit dem Urteil sind sie trotzdem gut bedient: Die Mindeststrafe für schweren Raub liegt für erwachsene Täter bei fünf Jahren Haft - die Höchststrafe bei 15 Jahren. Hinzu kommt noch eine gefährliche Körperverletzung. Sie haben den ahnungslosen Bäcker gefesselt, mit Baseballschläger und Elektroschocker traktiert.

Der Älteste aus dem Trio, ein 30-Jähriger, muss für sechs Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Sein 18 Jahre alter Bruder wurde zu fünf Jahren Jugendhaft und ein 28-Jähriger zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Richter blieben geringfügig unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger. Der ursprünglich mitangeklagte Vater der Brüder, der das Tatauto fuhr, war vor Weihnachten verstorben.

"Die Tat ist über längere Zeit in den Köpfen gereift", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner in der Urteilsverkündung. Es habe eine Lageskizze und nächtliches Ausspionieren des Tatortes gegeben. Laut Urteilsbegründung gab es nicht einmal ansatzweise den Versuch, die Tatwerkzeuge lediglich als Drohmittel einzusetzen. "Die Tür der Backstube wurde aufgedrückt, und dann ging es los mit Schlägen auf den Bäckermeister", sagte Schuppner. Die zahlreichen Wunden des Opfers seien verheilt, aber sein "Urvertrauen in die eigene Umgebung" schwer erschüttert.

Das Geständnis des Trios sei angesichts der Tatumstände nicht überzubewerten. Die Täter waren schon 45 Minuten nach der Tat mit 460 Euro Beute erwischt worden. Dem Bäckergesellen, der kurz nach dem Überfall gewohnheitsgemäß am Arbeitsort erschien, war ein Auto aufgefallen. Weil er das Kennzeichen erkannte, konnten die Täter mit zwei blutverschmierten Tatwaffen, Strumpfmasken und einem beschrifteten Karton aus der Bäckerei im Kyffhäuserkreis nahe Greußen festgenommen werden.

Die Richter verneinten einen minderschweren Fall. Der älteste Angeklagte wird wegen seines Alkoholproblems nach Verbüßung von 13 Monaten Haft für mehrere Jahre in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Der niedergeschlagene Bäcker war im Prozess als Nebenkläger dabei. Er hatte vor allem die Sinnlosigkeit eines solchen Überfalls in einer Bäckerei in den Mittelpunkt seiner Zeugenaussage gerückt. Nur kurze Zeit nach dem Überfall hat er wieder vor dem Backofen gestanden. Sein Geselle kam wochenlang früher zur Arbeit, um seinen Chef im Morgengrauen nicht allein zu lassen. Zur Ruhe kommen kann der Handwerker erst, wenn alles vorbei ist - auch das letzte Strafverfahren. "Dann ziehe ich einen doppelten Schlussstrich", sagte er und nahm seine Frau in den Arm.
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