Sein einziges Hobby: Klauen im Netz

Wegen Urheberrechtsverletzung in 125 Fällen hat das Amtsgericht Mühlhausen einen 41-Jährigen aus dem Unstrut- Hainich-Kreis zu 2.400 Euro Strafe verurteilt. Der Mann hatte im Prozess zugegeben, 2008 und 2009 von seiner Plattform aus illegale Downloads von Spielen und Filmen angeboten und weiterverbreitet zu haben. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat ihn 2009 angezeigt.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden zahlreiche Datenträger illegalen Inhalts unter anderem auch 35.000 MP3-Dateien und 70.000 Seriennummern für Spiele gefunden. Deswegen droht ihm ein weiteres Verfahren, dessen weiteres Betreiben er möglicherweise durch sein Geständnis und die Akzeptanz des aktuellen Urteils abgewendet hat.

Die Downloads seien sein einziges Hobby gewesen, sagte der zweifache Familienvater. In entsprechenden Internetforen hätte er sich allabendlich über Stunden mit Gleichgesinnten gut unterhalten. Über die Frage der Illegalität und Strafbarkeit hätte man nicht gesprochen. Es gebe große und kleine Tauschbörsen, wo sich genau das abspielt, was dem früheren Bergmann vorgeworfen wurde. Recht schnell nach einer Filmpremiere beschaffte er sich auf einer Tauschbörse die Kopie eines der begehrten Werke, lud sie auf seine Plattform und bot per Link anderen Interessenten an, daran teilzuhaben. Auf einer solchen Tauschbörde hatte er sich als Administrator hochgearbeitet und überwachte nach eigenen Angaben, dass die illegalen Downloads nicht zu oft verteilt wurden.

In einem Fall hat er nur 45 Minuten nach dem ersten illegalen Download eines neuen Kinofilms eine Kopie im Angebot gehabt. Die Ermittler vermuten vor allem bei den Kopierfirmen undichte Stellen. Es sei nicht schwierig, stündlich auf neue illegale Anbieter zu stoßen, sagte ein Ermittler von der GVU am Rande des Prozesses. Suchen müsse man sie nicht großartig - sie drängten sich auf. Schon bei den Namen der entsprechenden Internetseite könne man stutzig werden. Wenn da nicht "de" am Ende stehe, sollte das schon ein Hinweis und vielleicht Grund zu besonderer Besorgnis sein.

"Mit der Mouse reingeschlittert", hat Strafrichter Thomas Linß dem Angeklagten ins Urteil geschrieben. Dass so etwas illegal ist, sei nur Anfang der 90er Jahre noch unbekannt gewesen. Jetzt wisse eigentlich jeder, wie es funktioniere. Die GVU verlangt, dass das Urteil auch öffentlich bekanntgegeben wird - der Strafrichter verkündete im Urteil diese selten anzuwendende Strafvorschrift, die der öffentlichen Anprangerung dient.
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