Stress im Haus: Weil er seine 85-jährige Mutter geschlagen hat, muss ein Sohn eine Entschuldigung schreiben

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Er sei ein ruhiger Mensch, kaum aus der Ruhe zu bringen. Doch am 1. April 2011 lief das Fass über: Ein 56-Jähriger fühlte sich von seiner eigenen Mutter im eigenen Haus dermaßen provoziert, dass er seine gute Erziehung vergaß. "Ich habe ihr eine geknallt", sagte der Mann vor dem Amtsgericht Mühlhausen. Die alte Dame soll gestänkert und gedroht haben. Dabei sei es ums Haus und um Geld gegangen. Brodeln tut es seit längerem in der Familie. Die Zivilabteilung des Mühlhäuser Amtsgerichtes hat sich ebenfalls mit den Streitigkeiten in der Familie befasst.

Nun also der Strafrichter. Es geht um Schläge gegen den Oberkörper und ins Gesicht. Er soll sie auch gewürgt haben. "Ich bin ausgeflippt", gab der wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagte Sohn zu. Sie habe im Flur gestanden und ihn bedroht, sagte der Angeklagte in der Beweisaufnahme. Ärger gibt es im Zusammenhang mit einer Geldzahlung an ihn aus dem Erbe. Das Geld sei ihm im Umschlag überreicht worden. Er habe es nicht nachgezählt. Erst als er es bei der Bank einzahlen wollte, will er das Fehlen eines größeren Betrags bemerkt haben. Nach Angaben seines Anwaltes gehe es mittlerweile um die Rückzahlung des gesamten Betrages - dabei sei dessen Höhe strittig.

Wegen der familiären Streitereien hat bereits ein Zivilrichter Umgangsformen festgelegt. Demnach müssen sich die Betroffenen aus dem Weg gehen. Die alte Dame ist erkrankt und konnte nicht als Zeugin gehört werden. Auch die Tochter der Geschädigten wurde nicht befragt. Zwischen ihr und der Familie des Angeklagten stimmt die Chemie nicht mehr. Nach dem Geständnis und der Erklärung der Umstände stellte der Strafrichter das Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen die Zahlung einer Auflage von 400 Euro ein. Außerdem muss der Mann einen Entschuldigungsbrief schreiben - auf ausdrücklichen Wunsch des Staatsanwaltes.
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