Teil III von "Damit nicht vergessen wird" ist erschienen

Superintendent Andreas Piontek, Ruthild Vetter, Jürgen Wand, Dr. Falk Walther und Elke Holzapfel am 13. August 2016 im Refektorium im Haus der Kirche in Mühlhausen.
„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“
Dieses Zitat des athenischen Staatsmannes Perikles habe ich dem dritten Teil meiner Dokumentation über die Ereignisse in Mühlhausen in den Jahren 1989 und 1990 vorangestellt. Inhaltlich befasst sich Teil III von „Damit nicht vergessen wird“ mit dem Entstehen und der Arbeit des Runden Tisches. Zur Übergabe an die Öffentlichkeit habe ich am 13. August 2016 bewusst das Refektorium im Haus der Kirche gewählt, weil hier an diesem historischen Ort 1989 erneut Geschichte geschrieben wurde. Der 13. August gehört zu den wichtigsten Gedenktagen der Nachkriegszeit. Die Arbeit der Runden Tische in Mühlhausen, Berlin und in vielen anderen Städten setzten den endgültigen Schlussstrich unter Mauerbau und deutsche Teilung.
Der Raum selbst ist heute hell und freundlich eingerichtet. Ein Hinweis zur Erinnerung an die Arbeit des Runden Tisches wäre für nachfolgende Generationen gut, denn hier trafen zum ersten Mal die neuen demokratischen Kräfte mit den Vertretern des SED-Regimes zusammen. Der Runde Tisch war für alle Beteiligten so etwas wie ein Crash-Kurs in Demokratie. Als einer der Akteure innerhalb der Initiativgruppe „Veränderung jetzt“ fühle ich mich der Dokumentation ihres Wirkens verpflichtet.
Der Runde Tisch in Mühlhausen tagte zum ersten Mal am 12. Dezember 1989. Auf Vorschlag von Superintendent Johannes Liesenberg trafen sich die Teilnehmer ab der dritten Beratung, am 27. Dezember 1989, im Refektorium im Haus der Kirche. Die Moderatoren, Superintendent Liesenberg und Stadtdechant Bruno Diefenbach, waren ebenfalls stimmberechtigt. Am 24. April 1990 fand die 20 und letzte Beratung statt. An den Beratungen nahmen bis zu 13 stimmberechtigte Parteien und Gruppen teil.
Der Begriff „Runder Tisch“, als symbolische Sitzordnung ohne Hierarchie, zur Findung von Kompromissen in Krisensituationen, wurde bereits im Februar bis April 1989 in Polen verwendet für Beratungen zwischen der regierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei und der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc. Der dortige runde Tisch steht im Präsidentenpalast und hat einen Durchmesser von neun Metern. 57 Personen finden daran Platz.
Der Runde Tisch in Mühlhausen war, ebenso wie der in Berlin, eckig. Er leistete mit seiner Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Regierbarkeit in einer Zeit des Zusammenbruchs der alten Ordnung bis zu demokratischen Neuwahlen. Er hat bewiesen, dass eine parteiübergreifende Zusammenarbeit und der Wille zu gemeinsamer Entscheidung und Verantwortung im Interesse aller möglich sind.
Ruthild Vetter
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