Tod eines Rentnerehepaares: Lkw-Fahrer trifft keine Schuld

Ein Lkw-Fahrer aus dem Eichsfeldkreis ist vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Rentnerpaares freigesprochen worden. Das Amtsgericht Mühlhausen erkannte nach umfangreicher Beweisaufnahme keinerlei Sorgfaltspflichtverletzungen des 47-Jährigen, der im September 2009 die Kreuzung am Bastmarkt in Mühlhausen überfuhr und plötzlich eine 69-Jährige und einen 74-Jährigen unterm Sattelschlepper hatte. Ein aufmerksamer Fußgänger hatte unüberhörbar geschrien und den Fahrer zum sofortigen Anhalten bewegt. Die Frau starb an der Unfallstelle – ihr langjähriger Lebensgefährte fast drei Monate später an den Folgen des Unfalls.

Nach Gerichtsauffassung ist dessen genauer Ablauf im Prozess unklar geblieben. Wahrscheinlich sei ein Sturz des Ehepaares oder einer der beiden Personen genau zu dem Zeitpunkt, als der Lkw-Fahrer Grün hatte und losfuhr. Der Angeklagte hatte ausgesagt, das Pärchen vorher überhaupt nicht gesehen zu haben – auch nicht im Spiegel. Dann sei er losgefahren und habe sofort gebremst, als der besagte Zeuge wild gestikulierte. Er habe schnell das Fahrzeug leicht angehoben und sei leicht zurückgerollt. Der Mann konnte sofort geborgen werden – die Frau war mit dem Fuß eingeklemmt. Beide Opfer hatten keinerlei Anstoßverletzungen. Sie sind laut gerichtsmedizinischem Gutachten nicht von den Lkw-Rädern überrollt worden. Wenn doch, dann so, dass das Fahrzeug sie ohne Berührung überfuhr.

Keiner der zahlreichen Zeugen hat gesehen, wie es zum Sturz der beiden unweit von der Unfallstelle wohnenden Mühlhäuser kam. Todesursache bei der Frau war ein Herzinfarkt. Der Mann erholte sich ebenfalls nicht von den Unfallfolgen. Auch der später angeklagte Lkw-Fahrer ist psychisch beeinträchtigt und in intensiver Behandlung. Er hatte wohl keine Chance, den Unfall zu vermeiden. „Beim anschließenden Weiterfahren muss der Fahrer nicht noch einmal in den Spiegel schauen“, begründete der Strafrichter seinen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess den Vorwurf der zweifachen fahrlässigen Tötung fallengelassen und für den Fall der Frau wegen des eingeklemmten Fußes auf fahrlässige Körperverletzung plädiert. 600 Euro Strafe forderte der Ankläger. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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