Verhängnisvolle Gefälligkeiten: Rentner hatte Schulden und musste 108 Rechnungen unterschreiben, für die keine Leistungen erbracht wurden

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Aus Geldnot hat ein 60-Jähriger Scheinrechnungen unterschrieben und einem Bekannten beim Steuernsparen geholfen. Das Amtsgericht Mühlhausen hat den Rentner aus Bad Langensalza zu sechs Monaten Haft auf Bewährung wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung verurteilt. Der Mann hatte 108 Rechnungen über 450.000 Euro - auch blanko - unterschrieben. Auf den Rechnungen steht, dass er tonnenweise Schrott, Stahl und Kupfer transportiert hat. Für den Besitzer eines Pkw gar nicht möglich.

Das Finanzamt Sondershausen hatte bemerkt, dass ein Schrotthändler aus dem Kyffhäuserkreis mit derartigen Betriebseinnahmen seine Gewinne minimierte. Weil die sechsstelligen Beträge in den Steuererklärungen der Lieferanten nicht auftauchten, wurden Durchsuchungen durchgeführt. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Drahtzieher sind noch nicht abgeschlossen. Der soll sich systematisch Rechnungen organisiert haben - von Leuten, die ihm etwas schuldeten oder Geld brauchten. Das wird nicht nur den mutmaßlichen Haupttäter sondern nach und nach auch alle Helfer wegen Steuerhinterziehung vor Gericht bringen. Weil der Rentner kein Gewerbe angemeldet hatte, sondern als Privatperson für Bareinnahmen in fünftstelliger Höhe unterschrieben hatte, kam er vors Mühlhäuser Schöffengericht. Gegenüber den Steuerfahndern hat er reinen Tisch gemacht. "Ich habe nur in ganz kleinem Umfang Arbeiten ausgeführt und dafür einige Euros auf die Hand bekommen", sagte der Holztechniker. 12 000 Euro Schulden hatte er bei dem, für den er die Gefälligkeitsrechnungen unterschrieben hatte. Der wollte dadurch 162 000 Euro Steuern sparen. "Ich habe nicht nachgedacht", sagte der Rentner. Aber Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist kein "Kavalierdelikt".
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