Verkäuferin auf dem Hosenboden - Eichsfelder hatte kein Geld, wollte aber auf Geschenk für Neffen nicht verzichten und klaute Spielzeug

Von Carola Mühlner

MÜHLHAUSEN. Der junge Eichsfelder mag es gern kostenlos. Fast alle 15 Vorstrafen des 22-Jährigen haben etwas mit der strafbaren Mentalität zu tun, nichts bezahlen zu wollen: Mal reiste er ohne Zugticket, mal bediente er sich in einem Geschäft, ohne hinterher zu bezahlen. Als er im Juni 2011 in einem Mühlhäuser Drogeriemarkt Spielzeug im Wert von 11,49 Euro einsteckte, hatte er kein Geld dabei und wurde beim Diebstahl von einer Verkäuferin beobachtet. Sie sah nämlich am Plüschtier-Regal, wie er zwei Sachen vorn in den Hosenbund stopfte. Sie verfolgte ihn bis vor die Tür und sprach ihn an. Er wisse doch, warum er wieder mit ins Geschäft kommen solle. Aus Angst vor einer weiteren Bestrafung hat der Leinefelder sich losgerissen die Flucht ergriffen. Er kam nicht weit, weil ein mutiger Zeuge ihn stoppen konnte. Die Verkäuferin, die ihn am Rucksack festgehalten hatte, wurde von ihm geschubst und gekratzt. Sie landete auf dem Hosenboden.

Der Angeklagte hielt sich in Mühlhausen auf, weil er bei der Mühlhäuser Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Ratenzahlung für eine 250-Euro-Strafe stellen wollte. Er hatte eine 3,30 Euro teure Zeitschrift geklaut und wurde wegen Diebstahls geringwertiger Sachen verurteilt. Diesmal landete er vor dem Schöffengericht, wo er sich bei der Verkäuferin entschuldigt. Persönlich bei ihr im Laden vorsprechen konnte er nicht – er hat Hausverbot.

Die Richter verurteilten den geständigen Mann wegen räuberischen Diebstahl im minderschweren Fall und Körperverletzung zu siebeneinhalb Monaten Haft auf Bewährung. Der Sturz der Verkäuferin sei durch ihn verursacht worden. Als Auflage muss er 500 Euro an eine soziale Einrichtung in seiner Heimatstadt zahlen. „Ich hoffe, dass es gut ausgeht“, hatte er in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung gesagt. „Liegt noch irgendetwas bei der Staatsanwaltschaft“, hatte der zuständige Richter Rüdiger Richel von ihm wissen wollen. Einmal „Leistungserschleichen“ – gemeint ist eine Schwarzfahrt. Dann verlangte Richel noch die Karte für die Fahrt zur Gerichtsverhandlung von Leinefelde nach Mühlhausen und bekam prompt eine gültige Wochenkarte gezeigt.
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