Wutausbruch im fünften Stock - Mühlhäuser warf eine Bierflasche über die Balkonbrüstung und beschädigte ein parkendes Auto

Von Carola Mühlner MÜHLHAUSEN. Kleine Flasche, große Wirkung. Nach einem Streit mit seiner Freundin warf ein Mühlhäuser im Mai 2011 eine halbvolle Bierflasche über die Balkonbrüstung. Einfach so, ohne nachzudenken in die Dunkelheit, schilderte der 41-Jährige den Vorfall vorm Amtsgericht Mühlhausen. Dass er ein Auto treffen könnte, sei ihm nicht bewusst gewesen. Das getroffene Fahrzeug befand sich 20 bis 30 Meter vom Haus entfernt auf einem Stellplatz. Der Besitzer sah den Schaden erst am nächsten Morgen. Eine zerbrochene Bierflasche lag in unmittelbarer Nähe.

Der 41-Jährige ist regelmäßig Gast im Wohnblock, da seine Freundin dort wohnt. Ärger mit den Nachbarn habe es nie gegeben. Die Reparatur kostet 4.100 Euro. Die Versicherung habe den Schaden reguliert. Der Geschädigte musste allerdings 500 Euro Selbstbeteiligung tragen und nun einen um 100 Euro höheren Jahresbeitrag zahlen, da er hochgestuft worden sei. Alles in allem habe ihn das 1.500 Euro gekostet, rechnet der Zeuge vor.

Am Morgen nach dem Vorfall hat die Freundin ebenfalls gesehen, dass etwas passiert sein musste. Von dem auf dem Balkon liegenden Sechserpack Bier fehlte eine Flasche. Sie sah das beschädigte Auto und klingelte beim Nachbarn. Zunächst nahm sie die Schuld auf sich. Sie habe nicht gewollt, dass ihr Freund in den Knast kommt, rechtfertigte sie vor Gericht ihr Verhalten. "Haben sie wirklich angenommen, dass man wegen einer geworfenen Bierflasche ins Gefängnis kommt", fragte die Staatsanwältin.

Unter Tränen bestätigte die Zeugin ihre damaligen Gedanken. Sie habe den Fall über ihre Haftpflichtversicherung laufen lassen wollen. Später aber gemerkt, dass es besser sei, die Wahrheit zu sagen. Sie habe daraufhin beim Geschädigten geklingelt und ihm einen Umschlag mit dem Namen des Schadenverursachers geben wollen. Das habe dieser abgelehnt und ihr geraten, zur Polizei zu gehen.

Der Anwalt des Flaschenwerfers gab zu bedenken, dass es schwierig sei, seinem Mandanten Vorsatz bei der Sachbeschädigung nachzuweisen. Er habe nicht damit rechnen können, solch einen Schaden anzurichten. Er regte die Einstellung des Verfahrens an. Die Geldauflage von 500 Euro soll der Geschädigte bekommen. "Vom Balkon dürfen keine Flaschen fliegen", so Strafrichter Thomas Linß. Und er stellte das Verfahren ein.
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