Besser mit Schutzbrille und Helm!

Peter Hönl
 
Bei Abbrucharbeiten ist die Gefahr besonders groß.
Altengottern: ASZ | Arbeitsschutz im Berufsleben: Peter Hönl sorgt dafür, dass die schlechten Nachrichten weniger werden

Von Wolfgang Rewicki

ALTENGOTTERN. "Ein Stein, ein Kalk, ein Bier." Das war gestern, denn Arbeitsschutz geht alle an - heute und zukünftig. Peter Hönl widmet sich beruflich seit gut 40 Jahren diesem Thema. Er könnte aus dem Stegreif mindestens drei Bücher dazu schreiben. "Heutzutage sind Stress und Leistungsdruck die häufigsten Unfallursachen", weiß er, "und 75 Prozent aller Arbeitsunfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen."

Im Arbeitsschutzzentrum Altengottern (ASZ) sind derzeit 74 Mitarbeiter beschäftigt, die etwa 1500 Unternehmen und Einrichtungen an 710 Standorten in Thüringen, Hessen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg sowie außerhalb Deutschlands betreuen. Besonders bei Arztteams ist der Bedarf hoch. So hoch, dass Geschäftsführer Peter Hönl in Zusammenarbeit mit der GfAW junge Fachleute aus Italien und Spanien anwirbt.

Hönl sieht im deutschen Arbeitsschutz nicht unbedingt ein Vorbild für andere Länder. Mit hochgezogenen Augenbrauen meint er: "Wir können von Großbritannien oder Frankreich noch viel lernen." Einer, der auf Arbeitsschutz viel Wert legt, ist Andreas Osterloh von Universalbau Mühlhausen. "Wir machen im ASZ jährlich eine Generalunterweisung für unsere gesamte Belegschaft. Von unseren Ausgaben im Bereich Arbeitssicherheit könnte man ein Einfamilienhaus bauen", vergleicht Osterloh die Investitionen in diesen Bereich. Diesmal sind die Schwerpunkte unter anderem "Arbeiten in Gruben und Gräben" sowie "Sicherung von Ladungen". Klingt nicht besonders aufregend, ist aber für Mitarbeiter in einem Bauunternehmen wichtig.

Alkohol ist ebenfalls ein Thema auf dem Bau. "Das kommt schon vor, zum Beispiel beim Richtfest", verrät Osterloh. "Doch wer fährt, trinkt keinen Tropfen. Das weiß jeder und das akzeptiert jeder." "Ja, auf dem Bau passiert immer noch zuviel", ist sich Peter Hönl sicher. Da gibt es schlecht gesicherte Baustellen, es wird rückwärts gegangen, ohne zu schauen oder ohne Helm gearbeitet - die Liste ließe sich mühelos fortsetzen. Die Schutzbrille aufzusetzen, ist schnell getan, aber noch schneller passiert etwas.

Vor dem Hintergrund ihrer Umfrageergebnisse fordert zum Beispiel die Dekra eine wesentlich stärker ausgeprägte Präventionspolitik in den Betrieben, um die vorhandenen Missstände im Arbeitsschutz zu beheben. "Das ist ein mühsamer Weg und bleibt ein mühsamer Weg, aber es lohnt sich für alle Beteiligten", resümiert Hönl.

Fakten:
• 674 Menschen starben 2010 bei der Arbeit, etwa acht Prozent mehr als 2009.
• Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle stieg insgesamt auf über eine Million (1.045.816). Unfallquote: 27,4 je 1000 Vollarbeiter.
• Durch unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit fielen 2010 schätzungsweise 1,1 Millionen Erwerbsjahre aus. Dies führte zu einem Produktionsausfall anhand der Lohnkosten von etwa 39 Milliarden Euro.
• Durch Verlust an Arbeitsproduktivität gingen damit der deutschen Volkswirtschaft rund 68 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung verloren.
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