Das Geld bleibt in der Stadt. Was Mühlhausen und Erfurt dafür tun

Kristin Rufleth verkauft die Erfurt-Gutschein in der Touristinformation. Foto: Heyder
  Mühlhausen/Thüringen: Tourist Info |

+ Kaufkraft lokal binden + Stadt-Gutscheine sollen als ein Instrument die Innenstädte stärken +

Weihnachtsmarkt und Krämerbrückenfest locken Hundertausende Besucher nach Erfurt. Und damit auch Kaufkraft. Aber gefeiert wird nicht das ganze Jahr. Die großen Versandhändler aus dem Internet ziehen Kaufkraft ab, allein der Branchenriese Amazon wuchs 2014 nach Angaben des Handelsblattes um 14 Prozent. Es ist so bequem, sich die Sachen direkt nach Hause liefern zu lassen. Andererseits sind belebte Innenstädte mit vielen kleinen Boutiquen attraktiv - sowohl für Besucher als auch für Einheimische. Zwei Dinge, die im Widerspruch zueinander stehen.

Zwei Thüringer Städte, Erfurt und Mühlhausen, haben deswegen ein Erfolgsmodell übernommen, das in anderen Städten wie Karlsruhe und Bamberg schon länger funktioniert: Den Stadt-Gutschein. Er soll Kaufkraft an die Innenstädte binden. „Wir legen einen 10-Euro-Gutschein auf“, erklärt Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns, „das Vorhaben verfolgt das Ziel, die Wirtschaft der Einkaufsinnenstadt weiter zu stärken“, so der OB. Nur ein Teil aus einer Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des Einzelhandels.

Was in Mühlhausen am 9. Dezember startete, ist in Erfurt längst eine Erfolgsgeschichte geworden. Davon kann Monika Hetterich von der Tourismus und Marketing GmbH berichten. Seit Einführung im Juni 2013 seien mehr als 30.000 solcher 10-Euro-Gutscheine über die Ladentheken gewandert. Damit bleiben gesichert mindestens 300.000 Euro Kaufkraft in der Innenstadt. Während sich im beschaulichen Mühlhausen damit in 66 Läden einkaufen lässt, sind es in Erfurt inzwischen aus ehemals 100 nun 166 Akzeptanzstellen geworden. „Hier ist für jeden etwas dabei“, erklärt Hettrich. „Zudem nutzen viele Firmen diese Möglichkeit, um ihren Mitarbeitern damit einen steuerfreie Lohnerhöhung zu bieten.“ 500 Euro im Jahr können Firmen ihren Mitarbeitern auf diese Weise zukommen lassen. Für Warengutscheine müssen weder Sozialabgaben noch Lohnsteuer abgeführt werden. Der Arbeitnehmer erhält den Bruttobetrag quasi netto ausgezahlt. „Und die Firmen stärken damit gleichzeitig die lokale Wirtschaft.“ Innerhalb weniger Monate haben die Mühlhäuser das auf die Beine gestellt.

Die Erfahrungen in Erfurt hätten gezeigt, so Hetterich, dass die Gutscheininhaber zumeist mehr Geld in den Läden ausgeben, als dem reinen Gutscheinwert entspreche. „Was ebenfalls für dies System spricht, ist, dass Geschäfte so Neukunden hinzu gewinnen, die sonst nicht dort einkaufen würden.“ Darauf hoffen die Händler in Mühlhausen auch: „Wir führen eine guten und offenen Dialog mit der Stadtverwaltung“, findet auch Kordula Licht aus Mühlhausen, die mit ihren kleinen Boutique in der Linsenstraße ansässig ist und gleich begeistert war von der Idee. Selbst, wenn die Händler ein wenig von ihrem Gewinn abtreten müssen, denn sowohl in Erfurt als auch in Mühlhausen werden hochwertige Gutscheine gedruckt, die entsprechende Kosten aufweisen. Die Vorteile, so das Resümee aus beiden Orten, würden das aber wieder aufwiegen.

Gutscheine Erfurt: erhältlich in der Tourist Information sowie in allen Filialen der Erfurter Bank

Gutscheine Mühlhausen: erhältlich im Buchhaus König sowie ebenfalls in der Tourist Information
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3 Kommentare
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Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes | 14.01.2016 | 15:52  
Axel Heyder aus Erfurt | 14.01.2016 | 22:43  
1.391
Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes | 15.01.2016 | 11:26  
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