Fremdgehen trotz glücklicher Beziehung?

Liebe ich meinen Partner nicht genug? Stimmt etwas in unserer Beziehung nicht? Ist es Zeit für einen Neuanfang? Fast jeder Mensch begeht einmal im Leben einen Seitensprung. Und viele plagen sich danach mit Gewissensbissen. Dann wird vielleicht auch die Hauptbeziehung in Frage gestellt. Aber sind Menschen, die fremdgehen, wirklich automatisch unglücklich in ihrer Beziehung oder passiert ein Seitensprung auch augenscheinlich glücklich liierten Menschen? Tatsächlich gibt es viele Gründe dafür, dass wir der Versuchung zum Seitensprung oder zur Affäre einfach nicht widerstehen können.

Seitensprung trotz glücklicher Beziehung?

Menschen sind von Natur aus neugierig. Das ist schon bei Kindern im Umgang mit Spielsachen zu beobachten. Sie haben gewiss ihr Lieblingsspielzeug, lassen dieses aber auch gerne mal links liegen, wenn sie etwas Neues geschenkt bekommen, dem sie dann zumindest für eine Weile ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Neue nun das alte Lieblingsspielzeug ablöst. Ähnlich geht es vielen Menschen auch, wenn sie in langjährigen Beziehungen leben. Ein Seitensprung kommt durchaus auch in intakten Beziehungen vor – in diesen Fällen bedeutet das dann auch keine Bedrohung für die Partnerschaft. Zumindest dann nicht, wenn er unentdeckt bleibt.

Seitensprung und Affären als Flucht vor Beziehungsproblemen?

Thomas Schmidt, Betreiber des Portals "Seitensprung-Fibel" sieht vor allem Probleme und Konflikte in langjährigen Partnerschaften als Nährboden für Untreue. Seit Jahren setzt er sich mit allen möglichen Fragen rund um Affären und den Seitensprung auseinander und bietet viele Denkanstöße für Interessierte und Betroffene. „Die Gründe für Seitensprünge und Affären sind vielfältig. Vielleicht mangelt es dem Mann in seiner Beziehung an Bestätigung, und er geht auf die Jagd, um sich diese bei einer anderen Frau zu holen. Im umgekehrten Fall macht mangelnde Bestätigung eine Frau viel empfänglicher für Komplimente und Aufmerksamkeiten eines potenziellen Nebenbuhlers.

Auch die Familienplanung ist häufig Ursache für einen Seitensprung. Oft herrscht in der Zeit nach der Geburt des Kindes Sex-Flaute. Sei es hormonell bedingt oder weil das Baby mit seinen Bedürfnissen den größten Teil des Familienlebens in Anspruch nimmt. Unweigerlich entsteht daraus Frust. Und den bekämpfen besonders frischgebackene Väter gerne mit einer Affäre oder einem Seitensprung. Gerade dann, wenn zum Beispiel auf einer Party ein Glas Wein zu viel das schlechte Gewissen und das Verantwortungsgefühl für die Familie ausschalten.“

Aber auch ohne Babyalarm nimmt in vielen Beziehungen im Laufe der Zeit die Bedeutung von Zärtlichkeiten ab – etwa dann wenn der Alltag und Stress im Job Energien und Phantasie auffressen. Die gemeinsame Lust und Leidenschaft werden durch asexuelle Themen abgelöst – das heißt aber nicht, dass jeder Partner für sich keine erotischen Wünsche mehr hätte. Und die werden dann nicht selten in einem Seitensprung ausgelebt.

Grüner Daumen für die Partnerschaft: Eine Beziehung will gehegt und gepflegt werden!

Am Anfang geht alles von selbst. Frisch verliebt ist man den ganzen Tag damit beschäftigt, dem Partner Komplimente zu machen, seine Nähe zu suchen und sein Wesen und seinen Körper zu erkunden. Die Schmetterlinge flattern munter im Bauch herum, und es gibt überhaupt nichts Schöneres und Wichtigeres, als zusammen zu sein. Ein rauschhafter Ausnahmezustand, den kein Mensch ewig aushalten würde. Deshalb ist es auch ganz normal, dass die Schmetterlinge irgendwann nicht mehr so eifrig mit den Flügeln schlagen. Ruhe, Gewöhnung und Alltag kehren ein. Jetzt kommt es darauf an: Es erfordert schon einiges Bemühen, sich zur liebevollen Vertrautheit das leidenschaftliche Begehren aufeinander zu bewahren. „Das Pflegen der Leidenschaft innerhalb der Partnerschaft ist absolutes Teamwork. Es gilt nicht nur die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen, sondern auch die eigenen kund zu tun“, erklärt Thomas Schmidt, der den Lesern der „Seitensprung-Fibel“mit Rat und Tat zur Seite steht. „Alles was wir uns in der Beziehung geben, vermissen wir dann auch nicht, und alles was wir nicht entbehren müssen, hilft uns bei dem guten Vorsatz, einander treu zu bleiben. Denn kommt es aufgrund von Problemen doch zum Seitensprung, wird es kritisch für die Beziehung. Erst recht dann, wenn man beim Fremdgehen lang Entbehrtes wieder erlebt.“

Tatsächlich ist eine Affäre wie Balsam für die Seele, der entstandene Wunden mit Aufmerksamkeit, Bewunderung, Leidenschaft, Liebe und dem Gefühl, endlich wieder begehrt zu werden, heilt. Das hat zur Folge, dass man sich vielleicht gefühlsmäßig vom Partner löst und sich stärker zur Affäre hingezogen fühlt. Schleicht sich dann noch das Gefühl ein, dass der Partner dem persönlichen Glück im Wege steht und die Beziehung wie ein Gefängnis wirkt, ist das Kind schon fast in den Brunnen gefallen. Geben Sie Ihrem Partner die Aufmerksamkeit, die Sie im Gegenzug von ihm erhoffen und erwarten. Und sollte es doch zum Seitensprung gekommen sein, nie vergessen: Neue Besen kehren gut. Die Frühlingsgefühle, die für die Affäre empfunden werden, haben Sie irgendwann so intensiv auch für Ihren Lebensgefährten empfunden oder umgekehrt. Und bei der Pflege der Beziehung geht es beileibe nicht nur um die sexuelle Komponente. Oft bahnen sich auch geistige und seelische Dissonanzen an. Aber auch die kann man in den Griff bekommen, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.

Monogamie liegt uns einfach nicht in den Genen

Treue drückt vor allem den Wunsch nach Geborgenheit und einer sicheren Bindung aus. Untreue in Form eines Seitensprungs oder einer Affäre hingegen zeugen von unserm leidenschaftlichen Wesen und unserer natürlichen Neugierde. Beides unter einen Hut zu bekommen ist nicht leicht – auch in intakten Beziehungen. Trotz gemeinsamer Vorlieben und Phantasien bleiben oft individuelle Wünsche und Sehnsüchte unerfüllt. Auch das Verständnis vom richtigen Maß aus Nähe und Distanz, Gemeinsamkeit und Individualität, Freiheit und Verbindlichkeit ist bei den meisten Partnern unterschiedlich ausgeprägt. Selbst Erlebnisse in der Kindheit prägen mitunter die Einstellungen hinsichtlich einer Partnerschaft. „Frühkindliche Erfahrungen innerhalb der Familie können sich im Erwachsenenalter auf die Bereitschaft zum Seitensprung auswirken. Emotionale Kälte innerhalb der Familie, eine unaufrichtige Elternbeziehung, Scheidung oder Machtspielchen zwischen den Eltern werden von feinfühligen Kinderseelen erspürt und als unangenehmer Missklang empfunden. Später kann sich dies in Bindungsangst oder Neigung zu Seitensprüngen äußern“, meint Thomas Schmidt.

Grundsätzlich ist es natürlich möglich, monogam zu leben – und für viele Paare auch sehr erstrebenswert. Dennoch sind die Verlockungen eines Seitensprungs allgegenwärtig. Man kann versuchen, ihnen zu widerstehen, einen toleranten Umgang mit der Sexualität zu vereinbaren oder, wenn es zum Seitensprung gekommen ist, diese Situation partnerschaftlich und sensibel zu meistern.
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1 Kommentar
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Sabine Brecht aus Apolda | 27.09.2013 | 10:38  
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