Gerichtsbericht: Alkohol im Rucksack

Mühlhausen/Thüringen: Landgericht Mühlhausen | Weil er in einem Mühlhäuser Getränkeladen regelmäßig Alkohol an Kinder und Jugendliche verkaufte, muss ein 52- Jähriger aus Mühlhausen 1.200 Euro Strafe zahlen. Die Berufungskammer des Mühlhäuser Landgerichtes folgte der Auffassung der Staatsanwaltschaft, dass es sich bei den Delikten nicht nur um Ordnungswidrigkeiten, sondern um Straftaten handelt.

Vor dem Landgericht hatte der Mann zugegeben, von Mai bis November 2009 regelmäßig an 13 bis 15-Jährige Schnaps und Bier abgegeben zu haben. Dass das nicht in Ordnung war, sehe er ein. Er habe aber nicht aus Gewinnsucht so gehandelt und nur in wenigen Fällen.

Das Ausmaß der unzulässigen Abgabe von Alkohol wurde deutlich, als die immer noch jugendlichen Zeugen befragt wurden. Den Alkohol sollten sie in Rucksäcken verstecken. Wenn sie von der Polizei gestoppt würden, sollten sie die Herkunft nicht verraten. Im Falle der Anwesenheit von weiteren Personen im Laden fragte er seine jungen Kunden nach dem Ausweis und forderte sie auf, zehn Minuten später wiederzukommen.

Die Clique wusste freilich, wo sie Hochprozentiges fürs Stadtfest, die Kirmes oder private Geburtstagsfeiern herbekam. Es war an einigen Mühlhäuser Schulen ein offenes Geheimnis, wie man trotz Kindesoder Jugendalters problemlos an Bier und Schnaps herankam. "Sabu" ("Saufbude") nannten sie den betreffenden Getränkehandel, wo der junge Chef den Ausweis immer sehen wollte, der Ältere aber alle Augen zudrückte. Zu viele Augen in zu vielen Fällen.

Acht Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz standen in der Anklageschrift. Es waren viel mehr Fälle und eine deutlich größere Personenzahl, an die Alkohol abgegeben wurde. Das Landgericht änderte das Urteil des Mühlhäuser Amtsgerichtes ab, das den Mann im April 2011 lediglich wegen einer Ordnungswidrigkeit zu 1.000 Euro Bußgeld verurteilt hatte. Nun stehen 1.200 Euro in seinem Strafregister. Nicht etwa, weil er gierig auf Gewinn war und deshalb etwas Illegales verkaufte. Der Mann ist bestraft worden, weil er über einen längeren Zeitraum immer wieder Alkohol an Kinder und Jugendliche verkaufte, die eigentlich vor derartigem Missbrauch geschützt werden sollten.

Die Mühlhäuser Polizei hatte einen 13-Jährigen, der fast 1,2 Promille Alkohol im Blut hatte, im November 2009 in der Nähe des betreffenden Ladens aufgegriffen und entsprechende Ermittlungen eingeleitet. "Mit dem Gewinnstreben muss spätestens dann Schluss sein, wenn strafrechtliche Grenzen überschritten sind", sagte der Vorsitzende Richter Michael Krämer im Urteil, das sofort rechtskräftig wurde.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige