Manche mögen's heiß - Gedanken im Lichte einer 60-Watt-Glühlampe

Heute heißt es wieder einmal Abschied nehmen. Von einer treuen Gefährtin. Diesmal ist es die altbewährte 60-Watt-Glühlampe, die wohl auf Nimmerwiedersehen aus den Ladenregalen verschwinden wird. Der Grund ist die dritte Stufe einer EU-Verordnung, welche Mindestanforderungen an die Effizienz von Haushaltslampen schrittweise anhebt. Auf diese Weise sollen ineffiziente Leuchtmittel bis 2016 aus dem Verkehr gezogen werden. Mit der 60-Watt-Glühlampe verschwindet das in deutschen Haushalten sicherlich meist gebrauchte Leuchtmittel.

Nun gut, es geht nicht um Leib und Leben, es geht nur um ein Leuchtmittel. Trotzdem geht mir der Hut hoch. Weil regelwütige EU-Bürokraten bestimmen, wie ich mein Heim zu beleuchten habe. Oder zu beheizen hätte. Nun gut, da schrauben wir eben, wenn die Vorräte an Glühlampen dann irgendwann aufgebraucht sind, die so genannten Energiesparlampen in die Leuchten rein.

Diese Dinger, „bestehend aus einer Platine, Transistoren, Gleichrichterdioden, Vorschaltdrossel, Steuertransformator und Elektrolytkondensator. Kurz: Statt einer Glühbirne dreht man sich plötzlich ein ausgewachsenes Transistorradio in die Fassung“, meint der Journalist Gerhard Wisnewski. Logisch, dass die Hersteller lieber Radios verkaufen als Glühlampen. Diese beinahe archaisch anmutenden, höchst einfachen Lampen aus Glas, Wolframdraht und ein wenig Metall, die zudem weder bei der Herstellung noch bei der Entsorgung in der Restmülltonne Umweltprobleme verursachen. Darum nennt sie Wisnewski erfindungsreich und dabei auch noch sachlich korrekt „Müllsparlampe“.
Anders ihre modernen Nachfolger, bei denen die Ökobilanz keineswegs so positiv ausfällt, wie man uns immer wieder weismachen will. Hat sie ihr kühles Leben erst mal beendet, dann beginnt ihre Karriere als giftiger Sondermüll. Im Wertstoffhof etwa, wenn sie korrekt entsorgt wird. Aber wird sie das auch? Zweifel sind erlaubt.

Was bleibt, das ist die Erinnerung an die Glühlampe, die als Energiefresser diffamiert, von nun an nur noch als maximal 40-Watt-Variante offiziell im Handel erhältlich ist. Bis auch die noch ausgeknipst wird. Und das schöne warme Licht endgültig ausgeht. Bis dahin genieße ich den gemütlichem Schein der Glühlampen, von denen ich mir einen kleinen Vorrat angelegt habe. Ich mag es eben heiß. Sie auch?
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2 Kommentare
Jana Scheiding aus Arnstadt | 30.08.2011 | 18:39  
Axel Heyder aus Erfurt | 01.09.2011 | 10:00  
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