Verborgene Einblicke

Anika Darmer zeigt ein altes Fundbuch, das nun außer Dienst ist. Die moderne Computertechnik macht es möglich.

Spektakuläres wird im Fundbüro selten aufbewahrt


Von Wolfgang Rewicki

MÜHLHAUSEN. Deckenhohe, mit einer dünnen Staubschicht überzogene Regale, ein ausgestopfter Kaiman an der Decke und ein großer Karteikasten mit deutlichen Gebrauchsspuren - wer sich ein modernes Fundbüro so vorstellt, ist einem ziemlich verstaubten Klischee aufgesessen.

Im Mühlhäuser Fundbüro, das sich jetzt im Dienstgebäude "Brotlaube" auf dem Obermarkt im Erdgeschoss befindet und das dem Bürgerbüro zugeordnet ist, ist kein Platz für solch großzügige Refugien. Dort tut‘s ein Panzerschrank, in welchem die meisten Fundsachen aufbewahrt werden. "Nur die Fahrräder sind nicht hier, diese sind bei der Feuerwehr deponiert, dort ist mehr Platz", erläutert Anika Darmer, Teamleiterin im Bürgerbüro und zuständig für Fundsachen. Zehn Fahrräder waren es noch am vergangenen Mittwoch, mittlerweile hat die Polizei nochmals sechs im Fundbüro abgeliefert, da die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind.

Besonders oft werden Schlüssel gefunden und abgegeben. Aber auch eine Fotoausrüstung, Brillen, Mobiltelefone und Uhren sind unter den Asservaten zu finden, also den amtlich verwahrten Sachen. Aber auch Bargeld wird von ehrlichen Findern abgegeben. Kürzlich waren es wieder ein paar Geldscheine, die der Besitzer wohl lose in der Hosentasche gehabt haben muss. Pech gehabt. Oder Glück! Wenn er im Fundbüro nachfragt. Ein halbes Jahr werden die Fundsachen aufbewahrt, sofern es sich nicht um Verderbliches handelt. Nach Ablauf dieser Frist werden die Fundsachen entweder vernichtet, wie Dokumente oder Schlüssel, für einen guten Zweck gestiftet oder aber versteigert. Letzteres lässt die Mühlhäuser Stadtverwaltung über ein Internetportal besorgen. Besonders schön ist es, wenn sich die Eigentümer einer Fundsache meldet. Dann allerdings bleibt noch die Frage mit dem Finderlohn zu klären. "Damit haben wir aber nichts zu tun", erklärt Anika Darmer, "das ist eine Angelegenheit zwischen Finder und dem Besitzer."

Hintergrund


• Das deutsche Fundrecht regelt als Teil des deutschen Sachenrechts die Eigentumsverhältnisse an verlorenen Sachen und das gesetzliche Schuldverhältnis zwischen dem Eigentümer und dem Finder. Die Regelungen finden sich in § 965 bis § 984 BGB. Hierzu einige Auszüge (ohne Gewähr):
• Anzeigepflicht des Finders einer verlorenen Sache: Wer eine verlorene Sache findet und an sich nimmt, hat dem Verlierer oder dem Eigentümer oder einem sonstigen Empfangsberechtigten unverzüglich Anzeige zu machen. Kennt der Finder die Empfangsberechtigten nicht oder ist ihm ihr Aufenthalt unbekannt, so hat er den Fund und die Umstände, welche für die Ermittlung der Empfangsberechtigten erheblich sein können, unverzüglich der zuständigen Behörde anzuzeigen. Ist die Sache nicht mehr als zehn Euro wert, so bedarf es der Anzeige nicht.
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