Mühlhäuser erfinden nicht das Fahrrad, aber den Antrieb dafür neu.

Dominik Burre und Tobias Spröte, Geschäftsführer bei der Möve equipment & design GmbH.
  Mühlhausen/Thüringen: Möve Design | Das Rad muss sicher nicht neu erfunden werden und glänzt nach wie vor mit Genialität. Vielleicht aber muss das Fahrrad überdacht werden. Nicht in seinem Grundprinzipien, aber dort, wo die Muskelkraft beim Treten in Bewegung umgesetzt wird. Der mit nur 30 Prozent schlechte Wirkungsgrad einer Tretkurbel hat mehr als 130 Jahre keine Änderung erfahren. Ein Wunder also, dass es zwei Mühlhäuser Ingenieuren bedurfte, um sich dieses Problems so zu nähern, dass auch eine Lösung heraus kam.

Es muss ein wunderbares Gefühl gewesen sein, als die ersten Nutzer einen zentnerschweren Zementsack mit einem Flaschenzug nach oben befördern konnten, mit deutlich weniger Kraftaufwand als über eine einfache Rolle. So ähnlich könnte es sein, wenn das, was Möve-Design für Fahrräder derzeit entwickelt, einmal serientauglich ist. Also in rund zwei Jahren. „Der erste Schritt für uns war es, erst einmal zu verstehen, warum so viel Kraft beim Treten verloren geht“, erklärt Dominik Burre, Ingenieur des Maschinenbaus und Vertriebsleiter in der Mühlhäuser Firma. Allein das habe einer langen Reihe von Berechnungen bedurft.

Was die Verteilung der Kräfte angeht, läuft das bisherige genutzte Tretlager eines Fahrrads nämlich ganz und gar nicht rund. Während in dem Moment, wenn das Pedal parallel zum Boden steht, ein gutes Verhältnis von Kraft und Vorwärtsbewegung auf dem Zettel erscheint, erreicht es seine schlechteste Wirkung dann, wenn sich das Pedal in der 12-Uhr-Stellung befindet, also ganz oben. Dann arbeitet der Fahrer mit der Muskelkraft eher gegen das Gehäuse des Lagers, als sich vorwärts zu bewegen. Die Erfindung der Mühlhäuser macht sich eben diese Erkenntnis zu nutze.

„Wir haben es getestet und es funktioniert“, erzählt Geschäftsführer Tobias Spröte und versprüht dabei jene Begeisterung, die es braucht, um hartnäckig solchen Alltagsproblemen zu trotzen. Mit Hilfe einer Mechanik, kleine und größere Zahnräder spielen zusammen, beschreibt die Tretbewegung bei ihrer Entwicklung eine elliptische Bahn. Der der Drehpunkt wurde nach außen verschoben und schon in dem Moment, wenn die Tretkurbel die 12-Uhr-Stellung nur um ein Grad verlassen hat, beginnt sie besser zu arbeiten als jede bisherige. Die Kraft kann deutlich besser genutzt werden. Die ersten Prototypen waren noch klobig, so, dass sie niemand verbauen würde. Aber bereits im Dezember werden fünf neue Prototypen erwartet, erklärt Geschäftsführer Spröte, die schon eher tauglich für den Alltag sind. Ein weiterer Schritt zum Serienmodel, das die Welt in einigen Jahren erobern wird. Das Fahren wird leichter, die Berge weniger anstrengend. Rennräder werden schneller unterwegs sein, Mountainbikes dagegen über noch größere Anstiege fahren können. In Kombination mit Akkus, wie sie aktuell sogenannte Pedelecs bereits haben, könnten wahre Kraftmaschinen entstehen.

Weit weg ist die Menschheit nicht mehr davon, um stolze 50 Prozent kann sich die eingesetzte Kraft verbessern. Wer bisher also mit einem Wirkungsgrad von 30 Prozent gestrampelt hat, kommt mit dieser Erfindung auf rund 45 Prozent, ganz ohne den Besuch einer Mucki-Bude und oder Hunderte von Kilometern Training. Allein mit mit dem Hirnschmalz der Mühlhäuser Entwickler.
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