Von den Kirmesgelagen zur Kirmesgesellschaft in Heyerode

Logo der Heyeröder Kirmesgesellschaft e.V.
Zuerst wollen wir an dieser Stelle nicht vergessen, daß es Zeiten in Heyerode gab, in denen es unmöglich geworden war, in fröhlichem Beisammensein das Kirchweihfest zu begehen. Gemeint sind die Jahre des Ersten- und Zweiten Weltkrieges, in denen junge Menschen aus unserer Gemeinde statt im fröhlichen Umzug durch das Dorf, über die Tod bringenden Schlachtfelder marschieren mußten. Die meisten von ihnen haben ihre Heimat nicht wieder gesehen. Jene, die zurückkehrten, hatten für den Rest ihres Lebens Behinderungen, Krankheiten und Folgen von Entbehrungen zu tragen und waren somit meist um den Lebensabschnitt ihrer Jugend betrogen. Um so mehr sollten wir im Andenken an diese traurigen Zeitkapitel den Frieden und die Möglichkeit der heutigen Zeit dankbar schätzen.

Anfang der 70er Jahre wurden aus organisatorischen Gründen erste Überlegungen über die Einführung eines Kirmesvorstandes in Betracht gezogen. Dies beruhte auf der Tatsache, daß die über den Ort verteilten Kirmesgelage wegfielen, weil einige der Gastwirtschaften den Saalbetrieb einstellten. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine zentrale Kirmesgesellschaft in Heyerode. Die daraus resultierende steigende Burschenzahl machte es erforderlich, die Organisation und Durchführung auf mehrere Personen zu verteilen. Der noch "junge" Dorfclub übernahm fortan diese Aufgaben, welche bis dahin durch die einzelnen Wirte und deren Stammtischburschen abgesichert waren.

Um ihre exponierte Rolle auch nach außen sichtbar zu verkörpern, tauchte in dieser Zeit erstmals der Begriff des "Kirmesvorstandes" auf, der durch das Tragen der Kleidung aus den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts, dem "schwarzen, halblangen Gehrock" auszumachen war und auch heute noch ist. Bewußt wurde mit diesen Kleidungsstücken ein Gegenpol zu der in den 70er Jahren die Einheitlichkeit der Anzugsordnung unterlaufen "Niethose" gesetzt.

Nachdem 1981 der letzte Tanzsaal der Gemeinde, der "Grüne Rasen" wegen Baufälligkeit für öffentliche Veranstaltungen verloren ging, stand die Weiterführung der Tradition "Kirmes" in Frage. Durch Drängen des bestehenden Dorfclubs sah sich die Gemeindeverwaltung Heyerode veranlaßt, diesem bei der Suche nach zukunftsträchtigen Lösungen zu unterstützen. Als einzige Möglichkeit bot sich das ehemalige Sägewerk an, welches zu dieser Zeit als Schafstall und Lagerhalle genutzt wurde.

Unter größten Anstrengungen wurde Gebäudesubstanz gesichert und somit der Grundstein für den zukünftigen Gemeindesaal gelegt. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als der jeweilige Gastwirt wesentliche Teile der Organisation trug, sahen sich die Kirmesgesellschaften der folgenden Jahre einer Vielzahl von Schwierigkeiten ausgesetzt, die mit weiteren Belastungen aus dem ganzen Umfeld der Kirmesfeier zu einem jährlichen Motivationsverlust führten. Dies hatte auch zur Folge, daß es von Jahr zu Jahr schwerer wurde, die Platzmeister zu finden und damit die Kontinuität der notwendigen Vorbereitung und Führung verloren ging. Zusätzlich brachte die politische Wende in Folge der Währungsumstellung mit neuen Reise- und Erlebnismöglichkeiten einerseits, hingegen Betriebschließungen und Lehrstellenmangel andererseits zusätzliche Unsicherheiten. Zu denen, die sich in dieser Phase für die Fortführung des gewachsenen Brauchtums einsetzten, zählte auch Pfarrer Norbert Iffland.
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.09.2011 | 02:41  
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