Erdfall in Nordhausen: Hausteile stürzen in Krater von 30 Meter Durchmesser

Die Fahrzeuge im Hintergrund zeigen die Dimension des Erdfalls. (Foto: Landratsamt Nordhausen)
 
Berufsfeuerwehr und Verantwortliche des Landkreises Nordhausen untersuchen den Erdfall von der Drehleiter aus und messen die Tiefe. Das Wasser stand am Sonntag (21.2.) rund drei Meter tief im Erdfall. Vom Polizeihubschrauber aus wurden am Samstag rund 5 Meter Wassertiefe gemessen. (Foto: Pressestelle LRA Nordhausen)
Nordhausen: Service-Gesellschaft |

Es ist ein Albtraum: Aus dem Nichts tut sich die Erde auf, Teile eines Bürogebäudes und einer Garage stürzen in den Krater. So geschehen in Nordhausen am Freitagabend (19.2.16). Fakten zum Erdfall in Nordhausen und Überlegungen zum weiteren Vorgehen:

Ursachen erforschen statt schnell verfüllen


(pln) "Wir können froh sein, dass niemand zu Schaden gekommen ist, aber der materielle Schaden ist natürlich beträchtlich", sagte der Nordhäuser Landrat Matthias Jendricke zur Lagebesprechung am heutigen Montag mit Vertretern der Stadt, der Berufsfeuerwehr und mit Geologie-Experten. Er sprach sich dagegen aus, den Erdfall schnell zu verfüllen. Wichtig sei jetzt die Ursachenforschung. Da dies jedoch voraussichtlich technisch aufwändig und damit kostenintensiv wird, könne dies der Landkreis Nordhausen allein nicht schultern. Hier müsse das Land Thüringen die örtliche Ebene unterstützen. In diesem Punkt pflichtete Oberbürgermeister Klaus Zeh bei. Ihm sei insbesondere die Sicherheit der Anwohner nahe dem Erdfall wichtig, hier müsse die Frage einer mögliche Gefährdung geklärt werden, so Zeh.

Finanzen vom Land erhofft

Landrat Jendricke hat bereits erste Gespräche in Richtung Land geführt, um Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten. Denn die Kosten für weitere Untersuchungen des Geländes sowie die Verfüllung des Erdfalls könnten bei bis zu einer Million Euro liegen. Für heute Nachmittag hat Umweltministerin Anja Siegesmund ihr Kommen angekündigt. Auch der Innenminister Holger Poppenhäger wird in dieser Woche vor Ort erwartet.

Der 5. Fall in zehn Jahren in Thüringen

Die Experten der IHU, der Gesellschaft für Ingenieur-, Hydro- und Umweltgeologie in Nordhausen, sprachen sich dafür aus, zunächst die vorliegenden Daten zum Erdfall zu analysieren, bevor weitere technische Maßnahmen in Abstimmung mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) festgelegt werden. "Es ist der 5. Fall in der Größenordnung in den letzten zehn Jahren in Thüringen", sagt Konrad Rose von der IHU. Der Erdfall soll also nicht ad hoc verfüllt werden, sondern zunächst weiter beobachtet werden. Im Umfeld des Erdfalls wurden Messpunkte angebracht, um mögliche Bewegungen festzustellen.

Rückblick: Fakten zum Erdfall


(pln) Kameraden der Feuerwehr Bleicherode waren Freitagabend (19.2.) in der benachbarten Atemschutzübungsstrecke und haben gesehen, wie sich die Erde auftat. Dadurch wurde die Behörde schon informiert, bevor die Alarmanlage des Gebäudes anschlug. Die Fachleute gehen davon aus, dass rund 70.000 Tonnen Erdreich in den Erdfall gerutscht sind. Das Wasser, das zu sehen ist, trat wohl aus dem Hohlraum zu Tage und wurde durch die nachrutschenden Erdmassen nach oben gepresst. Da dieses Wasser deutlich wärmer als die Luft war, kam es zu einer starken Dunstentwicklung, was die Sicht weiter erschwert hat. "Gigantisch war die Geräuschentwicklung durch das Wasser. In den zunächst zwei zylindrischen Löchern verschwanden Massen an Kies und Geröll", berichtet Gerd Jung, Leiter der Berufsfeuerwehr Nordhausen.

Der bis zu 40 Meter tiefe Erdfall hat sich über Nacht auf einen Durchmesser von rund 30 Meter vergrößert, riss Teile eines Bürogebäudes und einer Garage mit hinab. Am Sonntag wurden noch rund zehn Meter Tiefe gemessen. Davon stehen knapp drei Meter unter Wasser, am Samstag waren es noch 5 Meter - das Wasser versickert also im Erdreich. An den Gebäuden sind seit Sonntag keine weiteren gravierenden Schäden aufgetreten.

Erdfall bereits vor sechs Jahren

Im März 2010 war an der selben Stelle bereits ein Erdfall aufgetreten. Experten gehen davon aus, dass sich im tieferen Untergrund Gips und Anhydrit befinden und sich dort über einen langen Zeitraum durch Ausspülungen ein größerer Hohlraum gebildet hat, der zum Erdrutsch führte.

Bis zum Erdfall 2010 wurde das Gelände vom Brand- und Katastrophenschutz des Landkreis Nordhausen genutzt. Danach gab es umfangreiche Untersuchungen. "Damals hatte der Erdfall einen Durchmesser von 5 bis 6 Metern und eine Tiefe von etwa 15 Metern. Da eine Wiederinbetriebnahme des Geländes geplant war, gab es Bohrungen bis 45 Meter, die keine Störungen zeigten, wir fanden keinen Hohlraum", sagte Konrad Rose von der IHU. Erst vor wenigen Monaten hat die Service Gesellschaft des Landkreises Nordhausen die nun betroffenen Gebäude als neuen Verwaltungssitz für rund 600.000 Euro ertüchtigt. Die Großtechnik für den Winter- und Straßenbetriebsdienst konnte noch am Freitagabend gesichert werden. Nun ist das Gelände großräumig abgesperrt und gesichert.
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