In DDR geschiedene Frauen bei Rente benachteiligt

Landratsamt Nordhausen: Frauen, die in der DDR oder nach DDR-Recht, also vor 1992, geschieden wurden, sind bei der Rente benachteiligt, wie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Carmen Kaap hinweist. "Wegen Lücken und Benachteiligungen im Rentenrecht sind diese Frauen häufig von Altersarmut bedroht bzw. schon davon betroffen", so Carmen Kaap. In der DDR gab es nicht wie in der BRD ab 1977 bei der Scheidung einen Versorgungsausgleich. "Das war nicht erforderlich, denn durch die Anrechnung der Kinder, der versicherungspflichtigen Arbeitsjahre und des Einkommens der letzten 20 Jahre haben Frauen eine eigenständige und der Lebensleistung entsprechende Rente erreicht." Auch mit der Zahlung eines Mindestbetrages konnten ausreichend Rentenpunkte gesammelt werden. Damit war eine eigenständige Lebensgestaltung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit gewährleistet. "Im jetzigen Rentensystem werden die in der DDR oder nach DDR-Recht geschiedene Frauen dafür bestraft, wenn sie zu Gunsten der Betreuung ihrer Kinder ihre Berufstätigkeit unterbrochen oder auf eine eigene Karriere verzichtet haben", sagt die Gleichstellungsbeauftragte. "Dadurch ist es vielfach so, dass der ehemalige Partner eine gute rentenrechtliche Absicherung hat, während seine geschiedene Ehefrau von einer kleinen Altersrente oder Grundsicherung leben muss."
Um dagegen vorzugehen, klagt derzeit der Verein der in der DDR geschiedenen Frauen e.V. beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Dieser Verein hat auch eine Regionalgruppe in Nordhausen und trifft sich regelmäßig hier. Außerdem wird eine Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sowie des Thüringer Landtages vorbereitet, um die Regierung aufzufordern, einen gesetzlichen Nachteilsausgleich für die Betroffenen zu schaffen und eine politische Klärung herbeizuführen. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landratsamtes und des Landkreises Carmen Kaap ruft dazu auf, durch eine Unterschrift unter diese Petition mit dazu beizutragen, dass den betroffenen Frauen rentenrechtlich geholfen wird. "Jede Unterschrift, egal ob von Frauen, Männern, Betroffenen und Nichtbetroffenen, zählt", sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Wer unterschreiben möchte, kann dies zu den Sprechzeiten im Landratsamt oder nach Vereinbarung im Landratsamt, Grimmelallee 20, Raum 104, machen. Sammellisten können auch telefonisch unter der 03631 911-109 oder per E-Mail an ckaap@lrandh.thueringen.de angefordert werden. Die Gleichstellungsbeauftragte kann auch den Kontakt zum Verein der in der DDR geschiedenen Frauen vermitteln.
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2 Kommentare
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 28.08.2013 | 19:04  
Lokalredaktion Nordhausen/Sondershausen aus Nordhausen | 29.08.2013 | 09:55  
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