Au, das tut weh!

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Mit Spaß hat diese bewusste Falschschreibung nichts mehr zu tun. - Wo bleibt die Verantwortung des Werbenden?
Sprachverstümmlung ohne Grenzen

Mit dem Chaos um die Rechtschreibreform in den Neunzigern begann die Schlacht.
Werbesternchen Vernona Poth setzte mit ihrem legendären Spruch "Da werden Sie geholfen" noch einen drauf und krönt inzwischen schändlichste Wort- und Satzschöpfungen mit "Besser als wie man denkt".

Mit "0-10-13" (in Worten: null-zehn-dreizehn) für die Vorwahl eines Telefonanbieters und der Abbildung zweier Füße, die über null bzw. drei ZEHEN verfügten, nahm die Sprachverstümmelung ihren Lauf.

Inzwischen gehört es beinahe zum guten Ton, dass man Korrektem den Garaus macht und sich in Wortschlachten übt, Buchstaben- und Silbenverluste wohlbedacht.
Derjenige, der die größte Verstümmelung zustande bringt, ist offensichtlich auch der größte Feldherr.

Die Werbeindustrie erfindet sich neu und tritt ein ins Heer der Schlächter.
Bestes Beispiel ist die großangelegte Kampagne des größten Logistikunternehmens der Bundesrepublik. ICH steht bei allen Werbedrucken im Vordergrund, ICH in jeder Form, fein gelb und in Versalien. Egal, ob die Platzierung am oder im Wort korrekt ist, "geICHT" wird beinahe an jedem Adjektiv. leistungfähICH schmerzt ebenso wie günstICH.

Der Werbespruch eines Mineralölkonzerns "Tanke schön", der eher als Wortwitz gilt, könnte ohne Kommentar ebenso ins Auge gehen.

Verantwortung? - Fehlanzeige!
Auf die Frage an eine Mitarbeiterin im blau-gelben Logistikerkostüm, erhielt ich die Antwort: "Das ist doch nur Werbung!"

NUR Werbung?
Wer sagt dem Kind, dass das alles NUR Werbung ist, was es auf Faltbättern und Plakaten liest, wenn es mit Mutti wartend in der Schlange steht? Wer nimmt ihm die Enttäuschung, wenn die Lehrerin im Diktat für "leistungsfähich" und "günstich" einen Fehler anstreicht? Ist immer jemand in der Nähe, der auf die bewusst falsche Schreibung hinweist, damit die Kinder nicht in Irritationen geraten? Ganz abgesehen von den Pädagogen, die im Deutschunterricht allein auf weiter Flur für eine korrekte Sprachbeherrschung kämpfen.

Was einmal verkehrt eingeprägt ist, bedarf vielfacher Mühen, um es zu korrigieren.
Einen Gefallen tun weder Werbetexter noch die als Versender agierenden Unternehmen ihrer Nachkommenschaft. Pisa zeigt sehr deutlich wie "leistungsfähICH" bzw. leistungsschwACH unsere Schüler in der Beherrschung ihrer Muttersprache sind.

Wenn jeder nur ein kleines Stückchen auf dem Weg zum korrekteren Deutsch mitpflastern würde, wäre das Schlachtfeld leicht zu räumen.

Doch mit dem Streit um Fibel oder nicht, um Druck- oder Schreibschrift, um Schönschreiben oder nicht und um Füller oder Bleistift gerät das eigentliche Objekt der Begierde völlig ins Abseits und neue Gefechte tun sich auf. - Armes Deutsch!

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9 Kommentare
Jana Scheiding aus Arnstadt | 20.07.2011 | 15:56  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 20.07.2011 | 21:00  
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Regina Pfeiler (aus Gera) aus Gera | 20.07.2011 | 23:34  
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Heidrun Fischer aus Nordhausen | 22.07.2011 | 14:41  
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