Das Licht bleibt aus

Wer das Puzzle zuerst zusammengefügt hat, findet einen Hinweis auf einen versteckten Gegenstand. Die Mädchen aus Wernigerode finden die Aktion „Museum bei Nacht“ total spannend. (Foto: M. Wiethoff)
 
Tabak zum Kauen statt zum Rauchen? Herbert Schöffl erklärt den jungen Besuchern, welche Bewandnis es mit dem Nordhäuser Priem auf sich hatte. (Foto: M. Wiethoff)
Nordhausen: Museum Tabakspeicher |


Nachts im Tabakspeicher: Mit der Taschenlampe auf Entdeckungstour durch die Stadtgeschichte


Von Martin Wiethoff

NORDHAUSEN. Immer wieder leuchtet ein Licht auf. Die Vitrinen des Museums Tabakspeicher reflektieren den Strahl. Gespenstisch? Ein wenig. Doch zum Gruseln ist das „Museum bei Nacht“ überhaupt nicht gedacht. Schüler einer vierten Klasse aus Wernigerode nutzen einen Abend ihrer Klassenfahrt für einen ungewöhnlichen Einblick in die Archäologie sowie die Geschichte von Nordhausens Handwerk, Gewerbe und Industrie.

In zwei Gruppen erkundeten die Kinder das Museum. Zuerst legen sie im Dunkeln Puzzles. Sie zeigen einen Gegenstand, den die nächtlichen Museumsbesucher finden sollen. Als Beweis dient eine versteckte Postkarte.
Natürlich sind die Mädchen schneller und dürfen zuerst auf die Suche gehen. Doch auch die Jungen werden fündig. Ihr Kautabaktopf hat sich im letzten Raum versteckt.

Auf dem Weg entdecken sie Scherben aus der Frühzeit Nordhausens und kommen schließlich über das alte Handwerk zur Industrie, die Nordhausens einst berühmt machte: die Kautabakproduktion und der Nordhäuser Korn. Herbert Schöffl erklärt den Mädchen und Jungen, wie der Tabak früher verarbeitet wurde und warum es sinnvoller war, ihn zu kauen statt ihn zu rauchen. „Jeder Hersteller hatte seine eigene Soße. Wenn ihr wollt, könnt ihr sie probieren“, lockt der langjährige Museumsmitarbeiter. „Irgendwie eklig, mit einem komischen Nachgeschmack“, finden Alex und seine Freunde. Vom hochprozentigen Wahrzeichen Nordhausens darf natürlich keiner der Knirpse kosten.
Dafür gibt es nun einige Originalkopien der „Tom-und-Jerry-Filme“ als Belohnung und einen gesunden Imbiss.

„Das war echt spannend. Und gelernt haben wir auch noch was“, sind die Mädchen begeistert, wollen unbedingt noch das Puzzle der Jungs legen. - Das deckt sich mit den Erfahrungen von Museumsleiter Jürgen Rennebach. Ursprünglich hatte er das Konzept fürs Kunsthaus Meyenburg entwickelt, wo es schon gefiel.

„Unser Angebot ‚Museum bei Nacht’ eignet sich für jedes Alter ab der Grundschule. Selbst Firmengruppen und Familien kommen. Jedes Jahr nehmen bis zu 1.400 Besuchern an den geheimnisvollen Führungen mit der Taschenlampe teil. Wir passen das Programm je nach Alter an“, erläutert der Museumsleiter. Viele der Teilnehmer sind Schüler auf Klassenfahrt, die im Jugendgästehaus Rothleimmühle übernachten.

Nach der 90-Minuten-Führung wünschen sich viele, dass wir das Licht anschalten. "Das machen wir nicht, denn das zerstört den besonderen Eindruck", bleibt Rennebach konsequent. „Wer das Museum bei Licht sehen will, kann gerne am Tag wiederkommen!“

Im Tabakspeicher arbeiten drei Festangestellte und viele Ehrenamtliche. Ohne sie wären solche Angebote nicht möglich. „Die Hauptzeit ist zwischen März und Oktober“, berichtete der Museumsleiter. „Es macht Spaß hier mit meinem Team und allen Helfern. Ich bin gern jeden Tag hier", so sein Resümee.

Tipp:
Am 12. Mai ist Internationaler Museumstag. Alle drei Nordhäuser Museen bieten um 10 und 15 Uhr Sonderführungen an. Im „Tabakspeicher“ findet eine bundesweite Kautabak-Börse statt. Geöffnet sind die Museen von 10 bis 17 Uhr. Eintritt kostenfrei!

Kontakt:
Telefon: 03631-98 27 37
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