Die alte Steinmühle im Fuhrbachtal eine Sage aus demThür. Südharz

Die alte Steinmühle im Fuhrbachtal
Die alte Mühle im Fuhrbachtal Eine Sage aus dem Südharz in Kurzfassung nacherzählt von Manfred Kappler


Als Junge saß ich mal wieder beim Förster in der Küche, der alten Försterei draußen im Tal. Es war Ende Oktober, aber das Wetter war wie November. Dicke Nebelschwaden hingen in den Tälern. Regentropfen trommelten an die Fensterscheiben und der Wind rüttelte an den Fensterläden. Es war ein Wetter zum Fürchten, wo man eigentlich keinen Hund vor die Tür jagt. Polternd mit dem Knarren der Tür trat der alte Krusebart, der ehemalige Waldhüter, welcher schon uralt erschien, in die Küche. Grüßte freundlich und setzte sich, die Pfeife schmauchend auf die Ofenbank neben den Herd. Er knurrte sich was in seinen grauen Vollbart und fing an zu erzählen.
„Junge“ sagte er: “ Es war vor vielen Jahren, da war auch so ein schiet Wetter, damals nur noch Schnee dabei, so´n richtiges Schlackerwetter. Drüben, im engen Fuhrbachtal, klapperte damals noch die alte Mühle. Bei solchen Wetter war sie immer dicht eingehüllt in die tiefhängenden Rauchschwaden, von Feuer und Nebel. Gespenstisch stand sie da und war kaum zuerkennen. Der alte Müller Jakob lebte hier schon viele Jahre allein. Seit dem Tod seiner Frau war er immer knurriger und ungenießbarer geworden. Den ganzen Tag schimpfte und knurrte der Griesgram nur herum. Er war mit nichts mehr zu frieden. Die Mühle stampfte vor sich hin und Jakob schlurfte mit seinen Holzlatschen durch den Wohnraum und schimpfte. Er schimpfte mal wieder auf Gott und die ganze Welt und auch auf das Wetter. Durch das Wetter war es im Tal schon Nacht geworden. Da klopfte es plötzlich an die Tür. Jakob knurrte und schimpfte und stapfte zum Feuer, als hätte er nichts gehört. Da klopfte es nochmals, aber fester. Knurrend und polternd öffnete er die Tür. Draußen standen, wie zwei Gespenster in Rauchschwaden eingehüllte, völlig durchnässte Männer. Mürrisch hörte Jakob die Bitte der Beiden Gestalten, nach Unterschlupf und etwas Nahrung. Der alte Knurrkopf sah die Beiden Gespenster mürrisch an und schwieg. Die Männer wiederholten Ihre Bitte, aber Jakob knurrte und schimpfte nur. Breitbeinig stand er in dem niedrigen Türrahmen und rührte sich nicht. Zum drittenmal baten die Männer ihn um Obdach und etwas Nahrung. Jakob knallte mit der klapprigen Tür und verschwand in der Mühle. Nach einiger Zeit tauchte er knurrend wieder an der Tür auf und drücke den Beiden ein in Lumpen gewickeltes Etwas in die Hand. Er wies Talaufwärts mit den Worten: „Nun schert euch endlich weiter“, und knallte die wacklige Tür ins Schloss. Notgedrungen zogen die zwei durchnässten und hungrigen Männer weiter. Unter einer großen Wettertanne schutzsuchend, packten sie das Mitgegebene aus. An Stelle von etwas Brot oder Essbarem hatte der alte Griesgram ihnen nur Steine eingewickelt. Hungrig zogen die Zwei weiter auf den Harz hinauf. Später erzählte man sich auf dem Harze dass diese Beiden zwei Heilige gewesen wären. Sie hätten die alte Mühle samt dem Müller “Verflucht“. Denn seit jener Nacht konnte der alte Jakob in seine Mühle einschütten was er wollte, es kam nur noch Steinmehl heraus. Die Bauern kamen und wollten ihr Mehl oder ihr Getreide wieder zurück haben. Was sollten sie denn mit Steinmehl? An der Mühle im Fuhrbachtal wurde es ganz still und einsam. Nur das Fluchen und schimpfen des griesgrämigen Jakob war noch zu hören, denn die Mühle stand nun schon lange Zeit still. Seit jener Zeit sprach man nur noch von der verwunschenen alten Steinmühle und dem Steinmühlental. Nach einem schweren Sommergewitter stieg eines Tages schwarzer Rauch aus dem engen Tal auf. Ein Blitz soll damals in die alte Mühle gefahren sein. Sie muss wohl komplett abgebrannt sein, denn man fand nur noch die Grundmauern. Selbst von dem alten Griesgram, dem Jakob hat man nichts gefunden. Der soll wohl mit samst seiner Mühle in die Hölle gefahren sein.“
So endete der alte Krusebart seine Geschichte und klopfte seine Pfeife aus. Dann sagte er zu mir: „ Junge; der Regen hat aufgehört und der Mond lugt schon durch die Wolken, mache dich auf den Heimweg. Pass aber auf, dass dir der alte Jakob nicht über den Weg läuft“. Ohne einer Menschenseele zu begegnen stapfte ich durch das regennasse Tal nach Hause. Neben mir rauschte der Wildbach und es war mir als klappere irgendwo eine Mühle. Es war gespenstisch, als ob hinter jedem nebelverhangenen Strauch der alte griesgrämige Jakob auf tauchen könnte. Unbehelligt kam ich nach Hause, musste aber noch lange an diese Geschichte denken. Inzwischen ist das verwunschene Steinmühlental zu einem meiner geliebten Wanderziele geworden.
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3 Kommentare
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 02.11.2011 | 22:36  
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Manfred Kappler aus Nordhausen | 04.11.2011 | 00:13  
3.760
Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 09.11.2011 | 18:17  
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