Heimkehr in die Fremde - 66. Jahrestag der Befreiung des KZ Mittelbau

Mit seinen Fotos dokumentiert Clemens Kalischer (90) das Schicksal vieler Menschen, sogenannter "Displaced Persons", die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatten und auf der Suche nach einem neuen Ansiedlungsort durch die Welt irrten. Foto: Wiethoff
Nordhausen: KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora | Als 18-Jähriger wurde der Pole Wladislaw Slawski 1942 zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Nach kurzem Aufenthalt in Buchenwald brachte ihn die SS 1944 nach Mittelbau-Dora, kurz vor Kriegsende ins KZ Flossenbürg. Er überlebte die Todesmärsche und wurde am 23. April durch die Amerikaner befreit.

Am 12. April hielt der 87-jährige gebürtige Ostpole, der nach dem KZ keine Heimat mehr hatte, zur zentralen Gedenkveranstaltung in der einstigen Unterkunftsbaracke der heutigen Gedenkstätte "Mittelbau- Dora" eine bewegende Ansprache. Er gedachte im Beisein ehemaliger Häftlinge, Angehöriger und Hinterbliebener aller Mitgefangenen, die vor 66 Jahren am 11. April die Befreiung des Konzentrationslagers durch die Amerikaner erlebt hatten - und auch derer, die Zwangsarbeit und Inhaftierung nicht überlebten. Es waren 20 000.

Ähnlich wie dem Mann, der nach der Annektion seiner Heimat Ostpolen und monatelangem Hin- und Herschieben durch Polen und die Tschecheslowakei schließlich Ende 1945 im Rheinland mit der Ehefrau auch eine Ersatzheimat fand, erging es auch Clemens Kalischer, dem jüdischen Kind, das in Nordhausen glückliche Grundschuljahre erlebt hatte und mit seinen Eltern Anfang der Dreißiger Jahre nach Frankreich emigriert war. Nach Internierung in Arbeitslagern gelang dem 21-Jährigen im Jahr 1942 die Ausreise in die USA, wo er freier Fotograf der "New York Times" wurde und im Laufe seines Lebens zu beachtenswertem künstlerischen Ansehen kam.

Am 12. April war der 90-jährige Clemens Kalischer zur Eröffnung seiner Fotoausstellung "Displaced Persons. New York 1947/48" in der ehemaligen Feuerwache erstmals seit Kriegsende in seine Heimatstadt Nordhausen zurückgekehrt. Denn auch er war als Kind jüdischer Eltern ein Heimatloser, eine "displaced person" (Person ohne Platz).
Zwei Schicksale von vielen der Überlebenden, die nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten, weil sie entweder keine Heimat mehr besaßen (Juden, Vertriebene) oder weil sie als Kollaborateure galten (Russen).
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