Kunst als Spielraum

Nordhausen: Kreissparkasse | Carolin Laege und Michael Wilke beeindrucken mit Kunst, die anders ist

NORDHAUSEN. Sie sind 22 und gaben ihren jungen Jahren zunächst eine soziale Ausrichtung, stellten die Menschen in den Mittelpunkt. Kunst machten sie nebenbei. Carolin Laege und Michael Wilke verbinden inzwischen beide Felder miteinander, sehen die Menschen als “Inspiration“. Menschen, die Außenseiter sind: Behinderte, Autodidakten, Autisten. „An ihnen fasziniert uns, dass sie nur ihre innere Stimme haben und zum Teil mit außergewöhnlichen Mitteln arbeiten“, schwärmt Michael Wilke, der eigentlich Waldorflehrer werden wollte, in der Schweiz anthropologische Geisteswissenschaften studierte und als Freiwilliger in einer Waldorfschule in Schweden, später auch in einem Waldorfkindergarten in Berlin-Kreuzberg arbeitete.

Dann siegte doch das Praktische.
Heute studiert er in Bremen Freie Kunst, wird am Ende möglicherweise seine Werke in einer Galerie verkaufen oder doch noch seinen ureigensten Wunsch umsetzen und Modedesigner werden. „Einen Studienplatz hatte ich sogar schon, doch die Geisteswissenschaften zogen mich zunächst mehr an.“

Carolin wird nach dem Studium Kunsttherapeutin sein, Menschen betreuen, die im Abseits stehen. Die Kunst wird dabei für sie zum Mittel, um die Außenseiter zu therapieren: Im Kunsthaus für geistig Behinderte, im Strafvollzug, in Therapieeinrichtungen.

Schon jetzt partizipieren beide voneinander.
Michael benutzt die Kunst als Sandkasten zum Ausprobieren, ohne jemandem wehzutun. „Für mich ist Kunst eine andere Form der Wirklichkeit. Ich halte es mit Beuys, versuche in meiner Kunst die Probleme der Gesellschaft aufzuarbeiten“, erklärt er. Dabei tritt die klassische Kunstausbildung mehr in den Hintergrund, lässt Raum für Freiheit.

Das spiegelt sich auch in seinen Werken wider. Wilke folgt seiner Inspiration, wird zum Grenzgänger oder sprengt Grenzen, in dem er Gegensätzliches miteinander kombiniert - zum Beispiel Papierschnitte und Malerei - oder extrem reduziert wie bei seinen Akten, deren Motive einem speziellen Katalog entstammen, doch mit ganz wenig Pinselstrichen alles sagen. Carolin hingegen mal frei, abstrakt.

Rund 40 Werke sind in der Galerie der Kreissparkasse bis zum 5. Oktober zu sehen. „Ich fände es toll, wenn sich viele junge Leute das anschauen und Lust bekommen, selbst Kunst zu machen. Denn Kunst ist nicht nur zum Bilden und Dekorieren da, sondern sie ist auch Spielraum, in dem man sich einmal gehen lassen und auch seinen Aggressionen hingeben kann.“

Ausstellung bis 5.10.12
Galerie der Kreissparkasse, Kornmarkt 9, 99734 Nordhausen
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