Leb wohl, kleiner Schmetterling

Winzig sind die "Schmetterlingskinder", die hier bestattet sind. Doch die Liebe der Eltern macht keinen Unterschied – auch nicht die Trauer. Mit dem Grab haben sie einen Ort, der nur ihnen und ihrem ungeborenen Kind "gehört". Hier sind sie eins in ihren Gedanken und in ihrer Trauer.
Nordhausen: Friedhof | Stadt, Landkreis, Südharz-Krankenhaus und Verein "TrauerWelten" schufen gemeinsam einen Ort der Trauer

Wann zählt ein menschliches Leben als Leben? Ab wann darf man es beisetzen und betrauern? Das Gesetz steht für Bürokratie, doch das Herz ist voller Gefühle – auch für die kleinen Wesen, die noch keine 500 Gramm wogen, bevor sie starben.


Fehlgeburten schmerzen in jeder Phase, auch wenn das Menschlein noch so winzig ist. In dem Moment, wenn die zukünftigen Eltern von dem neuen Leben erfahren, beginnen sie, es zu lieben. Sie freuen sich über die Schwangerschaft und auf das Werden ihres ganzen Glückes. Mit allen Gedanken sind sie bei ihrem Ungeborenen, schenken ihm ihre ganze Liebe.

Furchtbar ist der Schock, wenn die Schwangerschaft plötzlich in Gefahr gerät. Schrecklich der Schmerz, wenn die Befürchtung wahr wird und das kleine Wesen aufhört zu leben.

Seit zwei Jahren gibt es auf dem Hauptfriedhof die "Schmetterlingswiese" als Ort der Trauer für die Eltern, die ihr Kind durch eine Fehlgeburt im Frühstadium der Schwangerschaft oder einen medizinisch notwendigen Abbruch verloren haben.

Nach dem Thüringer Bestattungsgesetz besteht keine Pflicht zur Bestattung, wenn das Fehlgeborene unter 500 Gramm wiegt. "Doch wir sind der Meinung, dass Eltern für diese kleinen Wesen, die wir 'Schmetterlingskinder' nennen, einen Platz der Trauer brauchen", erklärt Anne Lange von der Friedhofsverwaltung den Beweggrund für das spezielle Grabfeld. Die Idee dazu hatte Pathologe Dr. Hans Holzwarth.

Parallel zum Hauptweg beherbergt nun ein blumenbedeckter Kreis sechs kleine Truhen. Drei Schmetterlinge und eine Blume sind zusätzliche Zier. Die Blume steht für Lukas, wie ihn die Mutti nannte, bevor er das Licht der Welt erblicken konnte. Alle Schmetterlingskinder sind anonym bestattet, denn nach dem Gesetz haben sie noch keinen Namen. Doch für die Eltern sind es "ihre Kinder", denen sie – wie im Fall Lukas – schon in Gedanken einen Namen gaben und die sie hier betrauern können.
Gemeinsam bieten Südharz-Krankenhaus, Stadt Nordhausen, Landkreis und der Verein "TrauerWelten" unentgeltlich ihre Dienste an. Das Krankenhaus informiert die Eltern über die Möglichkeit der Bestattung und bewahrt das Fehlgeborene auf. "TrauerWelten" übernimmt den Transport zum Friedhof und die seelische Begleitung der Eltern. Die Stadt stellt Grabfeld und Pflege zur Verfügung, das Landratsamt übernimmt die 2. Leichenschau durch den Amtsarzt und gibt das Fehlgeborene zur Bestattung frei. Die Bestattung erfolgt zeitnah einzeln oder viermal im Jahr anonym.

"Die Eltern können an der Bestattung teilnehmen und ihre Wünsche äußern. Unter gegebenen Umständen werden diese auch berücksichtigt. Wichtig ist, dass sie nun einen Ort der Trauer haben", erläutert Anne Lange abschließend. "Gerade jüngere Frauen kommen mitunter nach Monaten und Jahren in seelische Not, wenn sie keinen Trauerort haben. Die "Schmetterlingswiese" ist ein solcher Ort für sie.
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