"My fair Lady" zu den Thüringer Schlossfestspielen Sondershausen

Die Verwandlung der Eliza Doolittle: Aus dem einfachen, frechen Blumenmädchen ist eine Dame geworden – mit eleganten Kleidern und einer perfekten Sprache. ­Ein Probenfoto mit Katharina Boschmann als Eliza. Foto: Tilmann Graner (Foto: Foto: Tilmann Graner)
 
Die 26-jährige Katharina Boschmann gehört seit der Spielzeit 2013/14 zum Ensemble des Theaters Nordhausen. Die Sopranistin verkörpert - alternierend mit Désirée Brodka - die Eliza Doolittle im Musical "My Fair Lady". Foto: Tilmann Graner (Foto: Foto: Tilmann Graner)
Sondershausen: Schloss |

Sprachübungen mit Eliza im Schlosshof: Bevor "Es grünt so grün" akzentfrei bei den Thüringer Schlossfestspielen in Sondershausen erklingt, gibt es einige Turbulenzen. Bis 19. Juli werden insgesamt 11 Vorstellungen von "My fair Lady" beim Open-Air-Festival geboten.

Die gewaltige Drehbühne im Schlosshof ist montiert, die Zuschauertribüne aufgebaut, das Ensemble eingestimmt – am Freitag (27. Juni) beginnen die diesjährigen Thüringer Schlossfestspiele Sondershausen. Mit dem Musical-Hit „My Fair Lady“ verbreitet das Open-Air-Festival Sommerlaune. In der Rolle der Eliza Doolittle ist Katharina Boschmann zu erleben. Redakteurin Sibylle Klepzig sprach mit der 26-jährigen Sopranistin über Berliner Dialekt, Ohrwürmer und Kaktuspflege.

Jüngst haben Sie am Nordhäuser Theater im Musical „Singin‘ In The Rain“ die Lina gespielt. Einen Stummfilmstar mit quäkiger Stimme. Als Eliza müssen Sie berlinern, was das Zeug hält. Was ist schwieriger?
Beides ist nicht vergleichbar. Die quietschige Stimme war eine reine Kondi­tionssache. Das muss man einfach den Abend lang durchhalten. Das Berlinern aber musste ich richtig lernen. G wird zu J und ich zu icke – viel mehr wusste ich vorher auch nicht. Also habe ich geübt, wie man Wörter ausspricht – und viel und laut geredet. Meine Nachbarn bekommen immer mit, wenn ich eine Rolle einstudiere. (lacht)

Aber im Laufe der Geschichte legt Eliza ihren deftigen Straßenjargon ab...
Ja, es geht darum, die Entwicklung einer Persönlichkeit zu zeigen – vom urwüchsigen, vulgären Straßenmädchen bis zur Lady, die sie lernt zu sein. Das macht die Rolle so spannend. Vor allem aber ist Eliza immer sehr menschlich.

Gelingt es ihr, den stoffe­ligen, autoritären Higgins zu ändern?
Nein, ich glaube, er ist nicht zu ändern. Das sagt er auch von sich selbst. Und ihr gefällt er auch so. Aber sie emanzipiert sich von ihm, sagt ihm: Sie sind nicht mehr mein Lehrer. Am Ende hat sie ihn irgendwie überholt – an menschlicher Größe. Es bleibt offen, ob sie zurückgeht oder nicht.

Das Musical steckt voller Ohrwürmer. Haben Sie ein Lieblingslied?
Ich mag gern das letzte Lied: „Es wird Mai jedes Jahr ohne Dich“. Da ist Eliza so ganz mit sich im Reinen, hat alle Entscheidungen getroffen. Vielleicht gefällt es mir auch deshalb so gut, weil ich es vorher kaum kannte.

Eliza ist ein Blumenmädchen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Blumen?
Ich habe zu Hause einen Kaktus. Den hat mir meine Oma zu Beginn meines Studiums an der Weimarer Musikhochschule geschenkt. Jetzt stehe ich kurz vor dem Abschluss – und ihm geht es gut. Er ist mein treuer Begleiter. Die Rolle der Eliza Doolittle ist übrigens die fünfte große Partie, die ich für mein Studium noch brauchte.

Es ist ein Anliegen der Schlossfestspiele, jungen Künstlern eine Bühne zu geben. Sind Sie zum ersten Mal dabei?

Nein, im Jahr 2011 hatte ich als Gast bereits die Berta in der Rossini-Oper „Der Barbier von Sevilla“ gesungen. So habe ich das Theater-Ensemble kennengelernt. Seit dieser Spielzeit gehöre ich dazu.

Was ist für Sie die größte Schwierigkeit beim Auftritt unter freiem Himmel?
Das Wetter. Die Aufführungen beginnen recht früh. Da ist die Sonne noch nicht untergegangen. Sie steht tief und blendet. Das ist fast wie bei Schneeblindheit. Man kann die Augen kaum öffnen.

Im Musical gibt es auch sehr lange Textpassagen - aber keinen Souffleur?

Oh doch. Es sitzt ein Souffleur beziehungsweise eine Souffleuse vor der Bühne. Es kann also nichts passieren?

Kostümbildnerin Anja Schulz-Hentrich hat Eliza Doolittle fünf Kleider auf den Leib geschneidert. Haben Sie ein Lieblingsmodell?
Noch habe ich nicht alle Kleider gesehen. Aber ich finde das grüne Latzkleid mit Trägern sehr hübsch, das Eliza bei Professor Higgins trägt. Es hat so einen schönen englischen Stil, so wie man ihn sich vorstellt. Sehr schön ist auch das Kleid für den Ball: ein Traum aus weißer Spitze mit weißen Handschuhen und Diadem.

Als Eliza tragen Sie auch Hut. Haben Sie ein Hutgesicht?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Eher interessiert mich: Werde ich damit spielen könne? Wird mich der Hut behindern oder ist er vielleicht eine Hilfe, wenn die Sonne scheint? Die Hüte gehören einfach zum Kostüm. Am Anfang trage ich als Blumenmädchen ein recht zerknautschtes Exemplar. Aber der Hut beim Pferderennen in Ascot ist groß und edel.

Die Handlung:

• In London begegnet Sprachforscher Henry Higgins dem armen Blumenmädchen Eliza Doolittle, dessen vulgärer Dialekt sein Interesse weckt. Er ist überzeugt, dass sie ohne ihren Straßenslang in besseren Kreisen verkehren könnte. Er lässt sich mit seinem Kollegen Oberst Pickering auf eine Wette ein: Wenn es Higgins gelingt, Eliza innerhalb von sechs Monaten mit Sprachunterricht zu einer Dame der Gesellschaft zu erziehen, werde er, Oberst Pickering, ihr eine Ausbildung finanzieren. Eine harte Lehrzeit bei dem eingefleischten Junggesellen Higgins findet nach erfolgreich bestandener „Prüfung“ beim Diplomatenball im Buckingham Palast ein unerwartetes Ende...

• „My Fair Lady“ ist eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt – voller Ohrwürmer wie „Es grünt so grün“, „Wäre det nich wun-da-scheen“, „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“ und „Mit ‘nem klenen Stückchen Glück”. Die Figur der Eliza Doolittle erreichte in der Verfilmung von 1964 durch Audrey Hepburn Kultstatus.

Weitere Informationen:
www.schlossfestspiele-sondershausen.de
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