Pas de deux mit Jutta Ebnother

Ballettdirektorin Jutta Ebnother fühlt sich in ihrem "Regie"-Sessel am wohlsten. Im Hintergrund proben Tänzerinnen und Tänzer der Ballettkompanie für den Kammertanzabend "Gegensätze getanzter Art".
Nordhausen: Theater |

Ballettdirektorin träumte vom Hotel, doch heute hat sie ihren Zweittraum verwirklicht


NORDHAUSEN. „… Jede Bewegung muss mit einem Gedanken, einer Idee, einer Emotion gefüllt sein, dann wird der Tanz eigenständig und beginnt zu berühren. …“ – Dieser Auszug aus einem ganz persönlichen Prolog auf ihrer Internetseite sagt das, was Jutta Ebnother (41) und die Ballettkompanie des Theaters Nordhausen täglich leben. - Redakteurin Heidrun Fischer befragte die Ballettdirektorin zu ihren Wünschen, Träumen und Ansprüchen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Hotelfachfrau. Ich wollte in einem schönen Ort dieser Welt gern ein schickes, tolles Hotel leiten. Doch dann kam der Tanz dazwischen.

Also Traum nicht erfüllt?
Doch schon. Heute bin ich Ballettdirektorin. Mit dem, was ich hier tue, hat sich eigentlich ein zweiter Traum erfüllt.

Seit wann tanzen Sie?
Seit ich 6 Jahre alt war.

Ihr Anspruch ist es, mit Tanz zu berühren. Wie vermitteln sie das Ihrer Kompanie?
Ich habe selbst große Freude daran, mit Tanz etwas sagen zu können. Hinter jeder Bewegung steckt eine Aussage, ein Gedanke, eine Emotion oder Geschichte. Das muss ich ihnen mitteilen. Wenn das gelingt, sind die Bewegungen nicht leer, sondern ihr Tanz kommt beim Zuschauer an und berührt.

Sie widmen viele Choreographien großen Künstlern wie Ravel, Miro, Dali oder Camille Claudel. Was fasziniert Sie an ihnen?
Sie faszinieren mich als Mensch. Ich will immer mehr wissen: was sich hinter ihrer Kunst verbirgt, wo die Künstler in ihrer Zeit standen, womit sie sich beschäftigt oder wogegen sie gekämpft haben. Camille Claudel stand für sich allein, musste sich als Künstlerin in einer Männerwelt behaupten. Das hat mich fasziniert.

Wer steht noch auf Ihrer Wunschliste?
Beispielsweise auch Komponisten. Clara Schumann finde ich sehr spannend. Ihr würde ich gern ein Ballett widmen.

Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen, das Schicksal solcher Persönlichkeiten in Tanz umzusetzen?
Das passiert meist zufällig oder man hat eine Affinität. Als Künstler sucht man oft Parallelen oder fühlt sich verstanden. Manchmal ist es auch ein ähnliches Schicksal. Als Künstler ist man immer auf der Suche. Diese Menschen waren es auch.

„Wenn ich irgendwann aufhöre zu suchen, mache ich auch meinen Job nicht mehr.“ Jutta Ebnother, Ballettdirektorin


Apropos Wunsch: Sind die 1. Nordhäuser Balletttage auch ihr persönlicher Wunsch?
Ja, auf jeden Fall. Früher hieß es „TanzArt“, doch wir wollten die Balletttage mit der Umbenennung für die Nordhäuser und die Region interessanter machen, Neugier wecken. Dass so viele hochrangige Kompanien hierher kommen, ist einzigartig und toll.

Zu sehen sein wird auch Ihr jüngstes Werk: „Kameliendame“. Was bewog Sie zur Choreographie?
Ich stand bei „La Traviata“ (Oper zum Stück) selbst auf der Bühne und habe mich intensiv mit dem Stoff beschäftigt.

Beim Kammertanzabend „Gegensätze getanzter Art“ werden die Tänzer zu Choreographen. Welche Überraschungen birgt das?

Es ist die Vielfalt, die die Tänzer durch ihre unterschiedliche Herkunft zu bieten haben. Unsere 12 Tänzer kommen aus 10 Nationen: von Spanien bis Ungarn und Japan. Sie sind sehr von ihren Wurzeln inspiriert. Irene López Ros zum Beispiel, unsere Spanierin, setzt sich immer wieder mit „ihrem“ Tanz, dem Flamenco, auseinander und bringt ihn ihren Kollegen bei. Ich sehe daran auch, wie weit sie inzwischen tänzerisch gewachsen sind.

Höhepunkt wird die Gala am 27. April. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die Vielfältigkeit des Tanzens und das sehr hohe Niveau. Wir haben Solisten der Dresdner Semperoper und aus Kaiserslautern dabei, junge Tänzer der Palucca-Schule. Sie bringen spannende Stücke mit, die den Zeitgeist widerspiegeln. Zehn Kompanien freuen sich, hierher zu kommen und tanzen ohne Gage.

Worüber sind Sie glücklich?
Dass ich aus ihren angebotenen Tänzen ein spannendes Programm machen durfte, das zwar für das ganze Haus ein großer Kraftakt ist, mir aber einen Riesenspaß bereitet. Am Ende wird es sich lohnen und herumsprechen. Das finde ich gut. Denn Nordhausen hat inzwischen einen Namen in der Tanzwelt.

Kann Ihr Mann tanzen?
Ja. Er war einmal Tänzer. Heute ist er Kunstmaler.



Termine:
Nordhäuser Balletttage: 25. – 27. April;
25. April, Kammertanzabend, 19.30 Theater unterm Dach (TuD);
26. April, Kameliendame, 19.30 Uhr;
27. April, Ballettgala, 19.30 Uhr;

Tanzphoto 2X: Fotoausstellungen von Tilmann Graner im Kunsthaus Meyenburg und ab 20. April im Theater-Foyer im 1. Rang.

Karten:

Theaterkasse, 03631-983452
www.theater-nordhausen.de
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