Spanisches Temperament: Theater Nordhausen führt erste Zarzuela auf

Wann? 18.11.2016 bis 08.03.2017

Wo? Theater, Käthe-Kollwitz-Straße 15, 99734 Nordhausen DE
Der spanische ­Regisseur ­Alfonso Romero Mora bringt die erste deutschsprachige Zarzuela in Nordhausen auf die Bühne. (Foto: Roland Obst)
 
Für wen wird sich Luisa Fernanda (Sabine Noack) entscheiden? Vidal (Manos Kia) und Javier ­(Angelos ­Samartzis) ­werben um sie. (Foto: Roland Obst)
Nordhausen: Theater |

Alfonso Romero Mora inszeniert am Theater Nordhausen die Zarzuela „Luisa Fernanda“ – Am 18. November ist deutschsprachige Erstaufführung dieser spanischen Form der Operette. Der Regisseur im Interview.

Große Gefühle entflammen, wenn das Theater ­Nordhausen eine absolute Neuheit präsentiert. Am 18. November öffnet sich erstmals der Vorhang für die deutschsprachige Erstaufführung von „Luisa ­Fernanda“ – einer ­Zarzuela. Darunter versteht man eine spanische Form des ­Musiktheaters, die ähnlich der Operette ­gesprochenen Text, Gesang und Tanz vereint. „Luisa ­Fernanda“ ist eine der populärsten Vertreterinnen dieser Gattung. Erst vor kurzem aus dem Spanischen übersetzt, ist sie bis März 2017 sieben Mal in Nordthüringen zu ­erleben – inszeniert von Alfonso ­Romero Mora. Redakteurin ­Sibylle Klepzig sprach mit dem spanischen Regisseur vor der Premiere.

Sie stammen aus Madrid. Vermissen Sie die Sonne Spaniens hier im grauen November?

Ein bisschen. Aber wir bringen sie jetzt auf die Bühne.

Es ist das allererste Mal, dass in Deutschland eine Zarzuela gespielt wird. Wie entstand die Idee?
Im Sommer 2015 habe ich „Carmen“ zu den Schlossfestspielen in ­Sondershausen inszeniert. Der heutige Intendant Daniel Klajner war damals zu Gast und wurde vom spanischen Fieber gepackt. Er wollte dem Publikum das spanische Lebensgefühl noch einmal vermitteln. So kamen wir auf die ­Zarzuela. Dass sie jetzt hier auf Deutsch aufgeführt wird, ist für mich wie ein Traum.

Zarzuelas gibt es viele. ­Warum fiel die Wahl auf „Luisa Fernanda“?
Sie ist eine der berühmtesten. Sie hat dieses spanische Flair. Die Musik ist sehr schön, fast jede Nummer ist ein Hit. Auch der Geschichte ist einfach zu folgen.

Eine Geschichte, in der es um Liebe geht, aber auch um Revolution und Politik?

Die Politik ist nur ein ­Rahmen. Wir ­konzentrieren uns auf die Gefühle. Wen liebt Luisa wirklich? Da ist Vidal, ein Mann vom Land, fast schüchtern. Er ist durch ehrliche Arbeit zu Reichtum gelangt. Ganz anders Javier, Er hat schon jung Karriere bei der Armee gemacht, genießt Erfolg und Ruhm, bekommt viele Avancen.

Die Akteure sind keine ­Spanier, keine madrileños. Auf der Bühne aber sollen sie als solche auftreten. Wie haben Sie ver­mittelt, was es heißt, ein Spanier zu sein?
Das zeigt sich in Kleinigkeiten, in bestimmten Bewegungen und Posen. Wir haben viel mit Fächern geübt. Die gehören einfach dazu. Typisch ist auch eine gewisse Lockerheit, eine Leichtigkeit in persönlichen Begegnungen. Es geht nicht darum, bestimmte Posen nachzumachen, das wirkt künstlich. Die Haltung muss aus dem Inneren kommen.

Unterstützt wird diese Wirkung durch Kostüme und Bühnen­bild. Haben Sie deshalb zwei Landsleute mitgebracht?

Ja, sie kennen ganz genau diese Atmosphäre, das Leben dort. Ich wollte keine Karikatur von Madrid oder Spanien auf die Bühne bringen, sondern etwas Originales. Viele denken bei Spanien sofort olé, olé. Aber wir tanzen nicht alle Flamenco, wir sind nicht alle Toreros. Kostümbildnerin Gabriela Salaverri ist eine Expertin, sie stattet gerade auch eine Zarzuela in Madrid aus. Ihre Kostüme entsprechen 1:1 der Kleidung aus der Zeit um 1868. Das Bühnenbild von Ricardo Sánchez Cuerda stilisiert erst Madrid und zum Schluss das weite Land der Extremadura.

Zur Zarzuela gehört auch temperamentvolle Musik...
Das Orchester hat genau diese Musik verstanden. Man hört die Lust auf Feinheiten. Die Lust, zwischen den Noten eine gewisse Schönheit zu finden. Wir freuen uns auf die Premiere.

Wie wünscht man in ­Spanien dafür Glück?
Mucha mierda! Das heißt übersetzt „Viel Scheiß!“ (lacht). Es ist aber super ­positiv gemeint. Früher ist man mit der Kutsche ins ­Theater gefahren. Lag nach einer Vorstellung viel Pferde­mist auf der Straße, waren viele Besucher da und die Vorstellung ein Erfolg.

Na dann : Mucha mierda!

Der Inhalt:

Madrid im Jahr 1868. Der reiche Gutsbesitzer Vidal ­Hernando ist ein Liberaler, der Kavallerie­oberst Javier Moreno steht auf Seiten der schwächelnden Monarchin Isabella II. Beide werben um die schöne Luisa. Doch während die sich eindeutig für Oberst Javier entscheidet, zögert dieser. Es gibt eine einflussreiche Rivalin – Herzogin Carolina! Trotzig verlobt sich Luisa mit dem Gutsbesitzer. Doch als der Oberst bei einem Volksaufstand gegen die Königin gefangengenommen und getötet werden soll, rettet sie ihm das Leben. Ausgerechnet vor Luisas Hochzeit mit Vidal kommt Javier, um sie um Vergebung zu bitten. Für wen wird sich Luisa entscheiden?


Termine:

Premiere: 18.11.2016; weitere Vorstellungen: 23.11., 15 Uhr / 16.12. und 17.12, 19.30 Uhr / 22.01.2017, 14.30 Uhr / 5.2. und 8.3., 18 Uhr,
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