Starke Frau an Deck: Deutschlandpremiere für Broadway-Musical "The Pirate Queen" in Nordhausen

Wann? 04.06.2016

Wo? Theater, 99734 Nordhausen DE
Die Sängerin und ihre Musicalrolle: Corinna Ellwanger posiert mit einer lebensgroßen Pappfigur, die sie in der Rolle der irischen Piratin Grace zeigt.
 
Corinna Ellwanger inmitten der drei Hauptfiguren aus Pappe: Grace, Désirée Brodka (Elisabeth I.) und Patrick Stanke (Tiernan) (Foto: Susemihl)
Nordhausen: Theater |

Grace O‘Malley war die einzige Piratin ihrer Zeit und ­vereinte die Iren im Kampf gegen England. „The Pirate Queen“ erzählt die Geschichte der irischen Heldin. Am Freitag erlebt das Musical am Theater Nordhausen seine deutsche Erstaufführung. Hauptdar­stellerin Corinna Ellwanger spricht im Interview über die Kraft der Träume, irische ­Folklore und die Seekrankheit.

„The Pirate Queen“ spielt im 16. Jahrhundert in Irland. Eine raue Zeit, in der sich die Titelheldin behaupten muss. Wie haben Sie sich der historischen Figur Grace genähert?
Ich habe Bücher gelesen, eines war geschrieben wie ein Tagebuch. Das half, sich in die Seefahrtswelt einzufühlen. Ich komme ja aus dem Schwabenland, da ist die Seefahrt eher entfernt.

Was fasziniert sie an Grace und wie wollen Sie sie auf der Bühne charakterisieren?
Es beweist eine enorme Stärke, wenn eine Frau sich in dieser Männerdomäne so durchsetzt und derart Großes bewegt.
Zu Beginn des Musicals ist Grace jung, voller Tatendrang. Getrieben von der Sehnsucht, einmal Piratin zu sein, mit den Männern auf See zu fahren. Dann gelingt ihr das scheinbar Unmögliche und sie wird zunehmend von allen anerkannt. Was ich zeigen möchte, ist die Wandlung einer Frau. Wie Stärke, Ziele und Träume sie immer weiter vorantreiben.

Die Kleider helfen bei der Verwandlung. Zehnmal ­wechseln sie das Gewand…
Oh ja, ich habe viele ­Kleider. Es ist ja auch ein langer Zeitraum, den wir bebildern. Erst bin ich die Tochter des Käpt‘n, die an Land zu bleiben hat. Dann ­schummle ich mich als Schiffsjunge an Deck – in weiter Hose, das wallende Haar unterm Hut versteckt. Bei der Geburt trage ich ein süßes Hängerchen, zur Taufe einen wundervollen Umhang und am Schluss das klassische Kleid einer Piratin.

Sind Sie nicht neidisch auf die prunkvollen Roben der englischen Königin?

Nö, nö. (lacht) Ich kann mich in meinen viel besser bewegen.

... und kämpfen. Wie viel körperlichen Einsatz verlangt Ihre Rolle?

Wenn wir mit Schwertern kämpfen, ist das schon anstrengend. Danach bin ich ganz schön außer Puste. Wir besaßen alle nicht die größte Kampferfahrung, haben jetzt schöne Szenen gestellt. Aber auf der Bühne ist es ziemlich dunkel. Da muss man schon aufpassen, dass man den Richtigen trifft. (lacht)

Wenn Dudelsack und Whistle irische Klänge zaubern, wird natürlich auch getanzt. Gehörte Irish Step zur Musical-Ausbildung?

Nein. Steppen schon, aber der irische Stepptanz ist dann doch ein anderer. Es ist super, das zu lernen. Mit Natalie ­Westerdale weiht uns ein Vollprofi in diese Tanzkunst ein. Da hat selbst die Ballettkompanie ganz schön zu tun. Neue Bewegungen, die irische Dynamik und die Härte der Schläge – es ist fantastisch, wenn alle gleichzeitig klacken.

Grace erlebt Erfolge und Glück, aber auch Liebesleid und Verrat. Davon singt sie in bewegenden Balladen. Haben Sie ein Lieblingslied?

Eigentlich nicht, gerade die Vielfalt ist wunderbar. Besonders gefällt es mir, wenn es ans Existenzielle geht. Zum Beispiel, als wir bei der Taufe von den Engländern überrannt werden und mein Kind entführt werden soll. Auch, als ich mich von meinem Angetrauten lossage. In diese hochemotionalen, Wut entbrannten Lieder legt man sich ganz hinein. Ich mag aber genauso die Liebesduette.

Zur Premiere am Freitag stechen sie das erste Mal in See. Werden Sie im wahren Leben leicht seekrank?
Ich dachte: nein. Bis ich auf Cran Canaria am Hochsee­fischen teilnahm und nach einer halben Stunde unter Deck lag, weil mir schlecht war. (lacht) Vielleicht gewöhnt man sich irgendwann an den Wellengang. Ich aber habe mich nie wieder auf hohe See getraut.

Das Publikum hat sie in Nordhausen bereits in zwei Musicals erlebt: als Cecily in „Mein Freund Bunbury“ und als Lisa in „Jekyll & Hyde“. Jetzt kommen Sie zum dritten Mal hierher...

Ja, ich mag die Atmosphäre hier im Haus. Sie ist fast schon familiär. Ich wurde nach den Jahren wieder herzlich begrüßt. Und es ist nicht weit von meinem Zuhause in Leipzig.

In Leipzig leben Sie mit ihrer Tochter und ihrem Mann, einem Musiker. Wie klappt das ­Familienmanagement?
Management ist das richtige Wort. Unsere Tochter ist anderthalb und bisher klappt es sehr gut. Wir arbeiten beide freischaffend. Mein Mann hat bis vor kurzem beim Udo-Lindenberg-Musical in Berlin gespielt. Jetzt ist er mit der Kleinen zu Hause. So wechseln wir uns ab.

Hintergrund

• Das Musical „The Pirate Queen“ von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil („Les Misérables“, „Miss Saigon“) wurde 2007 am Broadway uraufgeführt und jetzt ins Deutsche übersetzt.
• Titelfigur ist eine Heldin aus der irischen Geschichte: Grace O’Malley. Nicht nur, dass sie als Frau zur See fuhr, sie einigte auch die irischen Clans, um die Insel gegen die englischen Eroberer zu verteidigen. Sie erlebte eine unglückliche Liebe und Verrat, wurde der britischen Krone ausgeliefert. Doch Königin Elisabeth I. erkannte in ihr eine ebenbürtige Persönlichkeit und gab ihr die Freiheit zurück.

Aufführungen:

Premiere: 29.4., weitere Aufführungen: 1.5. und 15.5. jeweils 18 Uhr / 7.5., 14.5., 27.5. 28.5., 4.6. jeweils 19.30 Uhr / 5.6., 14.30 Uhr / 8.6., 15 Uhr
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