Verdis Oper "Nabucco" in Nordhausen

Eine drehbare Wand symbolisiert im Theater Nordhausen die Schauplätze der Verdi-Oper „Nabucco“: Das blaue Tor steht für Babylon, die Steinmauer auf der ­Rückseite für Jerusalem. (Foto: Tilmann Graner)
 
Bühnenbildnerin Sibylle Pfeiffer ist am Staats­theater ­Kassel ­engagiert. In Nordhausen entwarf sie das ­Bühnenbild für „Nabucco“.
Nordhausen: Theater |

Für „Nabucco“ errichtet Bühnenbildnerin Sibylle Pfeiffer Ischtar-Tor und Klagemauer auf der Bühne des Theaters Nordhausen. Giuseppe Verdis Oper über religiöse Konflikte ist so aktuell wie nie, das spiegelt die Nordhäuser Inszenierung wider.

Die Bühne erstrahlt im Blau Babyloniens. Jene Farbe, die Geschichtsinteres­sierte aus dem Berliner Pergamon­museum ­kennen. Dort steht das ­berühmte ­Ischtar-Tor mit seinen ­tiefblau glasierten Ziegeln. Das Stadttor schuf der babylonische König Nebukad­nezar in vorchristlicher Zeit als Kulissse für Prozessionen. Heute, 2500 Jahre später, dient es Sibylle Pfeiffer als ­Inspiration für das Bühnenbild zu ­„Nabucco“. Verdis Oper ist ab 22.  Januar im Theater Nordhausen zu erleben. Das Herzstück des Bühnenbildes: ein vier Meter hohes und sieben Meter ­breites blaues Tor.

Blick auf das Wesentliche

Sibylle Pfeiffer lag es jedoch fern, das Ischtar-Tor realistisch nachzubilden. „Unsere Bühnenvariante ist vielmehr ein Zitat des ­Originals“, erklärt sie die künstlerische Idee. „Durch die verfremdete Collage auf der Ober­fläche wirkt die Wand abstrakt und bindet die Handlung nicht zu sehr an Ort und Zeit.“ Das Gleiche gilt für die Rückseite des Bühnenbauwerkes. Diese erinnert – ebenfalls abstrakt – an die Klagemauer, das größte Heiligtum der Juden. Verdis Werk erzählt von den Kämpfen des Reiches Babylons mit dem der Hebräer. Die drehbare Wand deutet den jeweiligen Handlungsort an und bietet dem Zuschauer dennoch die Möglichkeit, sich gedanklich aus dieser Epoche zu lösen.

Ein aktueller Stoff

Denn Verdis Werk ist hochaktuell. Es geht um religiöse Konflikte, Angst, Flucht und Gewalt, aber auch um Zuversicht. Geschehnisse, die zu den Kriegsberichten unserer Tage passen. „Eine Flüchtlingsgeschichte kann man nicht ohne aktuellen Bezug erzählen. Wer das tut, ist ignorant und verschließt die Augen“, bezieht die Bühnenbildnerin Stellung. Die Anspielungen auf die Aktualität wählt sie dennoch mit Bedacht. Als Nabucco vom Wahnsinn befallen wird beispielsweise, liegt er im neuzeitlichen Krankenbett, Fernseher und Fernbedienung inklusive. „Die Ausstattung ist nicht konsequent modern und nicht konsequent klassisch“, erklärt Sibylle Pfeiffer. „Religionskonflikte gibt es seit Ewigkeiten, sie sind keiner Epoche zuzuordnen, deshalb spannen wir mit den Mitteln des Theaters einen großen zeitlichen Bogen.“

Eine wichtige Rolle in der Inszenierung spielt das Licht. Das Bühnenbild selbst ist zweckmäßig und schlicht. Wenn die Musik so groß ist wie bei Verdi, reduziere sie lieber, sagt Sibylle Pfeiffer. „Ich möchte mit meiner Arbeit den Blick auf das Wesentliche richten.“ Und das sind der exzellente Chor, ausgezeichnete Solisten und Verdis hochemotionale Melodien.

Inhalt:

Verdis Oper „Nabucco“, uraufgeführt 1842, spielt in Babylon vor 2500 Jahren: Der neubabylonische König Nebukadnezar – Nabucco – rückt auf Jerusalem vor, um den Tempel und die Stadt der Hebräer, der heutigen Juden, zu zerstören. Diese nehmen Nabuccos Tochter Fenena als Geisel, die zuvor nach Jerusalem geflüchtet war – aus Liebe zu Ismaele, dem Neffen des Königs von Jerusalem. Ihre Rettung löst ein Blutbad aus. Intrigen wie die von Nabuccos nicht erbberechtigter Tochter Abigaille heizen das Morden an. Nabucco stellt sich über die Götter und wird wahnsinnig. Er kommt aber zu Verstand, als seine Tochter Fenena ihres Religionswechsels wegen geopfert werden soll. Nabucco rettet sie und lässt die Kriegsgefangenen frei.

Berühmt ist die Oper vor allem wegen des Gefangenenchores „Va, pensiero, sull’ ali dorate“ („Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“).

Termine im Theater Nordhausen 2016:

Premiere: 22.1. (ausverkauft), Aufführungen: 29.1., 13.2., 23.4. und 6.5. je 19.30 Uhr / 6.3. 18 Uhr / 20.3. 14.30 Uhr / 13.4. 15 Uhr
Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn findet im Foyer 1. Rang eine Einführung statt.
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