Vier Erinnerungsorte – eine Absicht

Vier Gedenkstätten und Museen erinnern an die NS-Herrschaft und deren Folgen im geteilten Deutschland des 20. Jahrhunderts. Jetzt kooperieren die Erinnerungsorte zwischen Harz und Leine. Ein gemeinsamer Flyer ist der Beginn. Dr. Tilmann Siebeneicher (KZ-Gedenkstätte Moringen), Dr. Jens-Christian Wagner (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora), Heinrich Hörnschemeyer (Grenzdurchgangslager Friedland) und Horst Dornieden (Grenzlandmuseum Eichsfeld) präsentieren ihn.
 
Museumsgebäude der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen
Kooperation über Ländergrenzen rückt Zeitgeschichte in den Blick

NORDHAUSEN. Seit 1933 hielten die Nationalsozialisten im KZ Moringen politische Gegner gefangen. 1943 errichteten sie in Nordhausen das KZ Mittelbau-Dora mit Außenlagern im Südharz. 60000 Menschen mussten Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Mit der bedingungslosen Kapitulation endete 1945 Deutschlands Raub- und Vernichtungskrieg gegen halb Europa. Folge der Aufteilung in Besatzungszonen und der Grenzverschiebung im Osten waren gigantische Flüchtlings- und Vertriebenenströme. Sie zu kanalisieren war das Ziel des sogenannten Grenzdurchgangslagers für Flüchtlinge und heimkehrende Kriegsgefangene in Friedland. Schließlich führte die Teilung Deutschlands und der Ausbau der innerdeutschen Grenze seit 1952 zur Durchtrennung der Region zwischen Harz und Leine. Nur der Grenzübergang Worbis/Duderstadt bei Teistungen war winzige Öffnung im Eisernen Vorhang. Daran erinnert heute das Grenzlandmuseum Eichsfeld.

Vier Orte schrieben auf ihre Weise ein Kapitel deutscher Geschichte. Heute spannen sie einen Bogen der Erinnerung um sechs Jahrzehnte: von der Gegnerverfolgung bis zum Kalten Krieg und seinen Auswirkungen. Zeitzeugengeschichten halten das Geschehene im Bewusstsein der Besucher wach und mahnen.

Mit einem gemeinsamen Faltblatt dokumentieren fortan alle vier Erinnerungsorte ihre Zusammenarbeit. „Wir wollen wir die Ausprägung der NS-Ideologie zwischen 1933 und 1945 sowie deren Folgen im Zusammenhang von Ursache und Wirkung aufzeigen“, begründeten Dr. Tilmann Siebeneicher (KZ-Gedenkstätte Moringen), Dr. Jens-Christian Wagner (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora), Heinrich Hörnschemeyer (Grenzdurchgangslager Friedland) und Horst Dornieden (Grenzlandmuseum Eichsfeld) ihre Absicht.

Module der Zusammenarbeit sieht man in inhaltlichen Verweisen auf die jeweils anderen Orte und die historischen Verknüpfungen. Gerade in der pädagogischen Zusammenarbeit sei die Ausweitung von Schulprojekten denkbar; auch auf Moringen und Friedland, betonten Jens-Christian Wagner und Horst Dornieden, deren Einrichtungen schon eng kooperieren. Mit einer Neukonzeption möchte sich auch die KZ-Gedenkstätte Moringen dem Inseldasein in Niedersachsen entziehen, künftig Schüler und Studenten der Uni Göttingen ansprechen.

Im Gegensatz zur KZ-Gedenkstätte nahe Northeim kann sich die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora über Besuchermangel nicht beklagen. Rund 60- bis 65.000 Besucher pro Jahr kommen seit der Neukonzeption. Horst Dornieden vom neukonzipierten Grenzlandmuseum Eichsfeld konstatierte: „Unsere Motivation liegt in den vielen Besuchern!“
„Auch Friedland wird zum Großprojekt“, ließ Heinrich Hörnschemeyer wissen. „Glocke, Lagerkapelle (Nissenhütte) und Bahnhof sollen den Neuanfang in Freiheit symbolisieren und bis 2014 zum Museum umgestaltet werden, das die Themen Flucht, Vertreibung, Migration und Integration für die Nachwelt vereint.“ Nicht nur Bewohner, sondern vor allem auch Touristen könnten zukünftig Tagestouren für den Besuch mehrerer Erinnerungsorte nutzen. Dafür werben nun alle Vier.

Infos:
www.dora.de
www.gedenkstaette-moringen.de
www.grenzlandmuseum.de
www.museum-friedland.de
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