Wettreimen zum Poetry-Slam in Nordhausen

Wann? 09.05.2014 20:00 Uhr

Wo? Altendorfer Kirche, Wallrothstraße 26, 99734 Nordhausen DE
Finanzwirt Andreas in der Au (AIDA) hat nicht nur ein Faible für Zahlen, sondern auch für Worte. Als Poetry-Slammer hat er mehr als 200 Auftritte bestritten und ist Thüringer Landesmeister im Poetry-Slam. Foto: privat (Foto: Foto: privat)
Nordhausen: Altendorfer Kirche | Von Martin Wiethoff

Lyrische Kissenschlacht: Teilnehmer aus ganz Deutschland kommen am 9. Mai zum Poetry-Slam nach Nordhausen in die Altendorfer Jugendkirche. Interview mit Andreas in der Au (AIDA)

1986 hatte der Chicagoer Marc Kell Smith genug von langweiligen Dichter­lesungen. Er schuf ein neues Format, bei dem das Publikum stärker einbezogen wird – und nannte es Poetry-Slam. Diese Form der Bühnenkunst gibt es auch in Thüringen nun schon ein paar Jahre. Einer der heimischen Poeten ist Andreas in der Au, besser bekannt als AIDA. Am 9. Mai 2014 lädt er zum dritten Nordhäuser Poetry-Slam in die Altendorfer Jugendkirche ein. Martin Wiethoff wollte von ihm Genaueres wissen.

Was ist Poetry-Slam?
Es ist ein Dichterwettstreit. In diesem Veranstaltungsformat gelten drei Regeln: Die vorgetragenen Texte müssen selbst geschrieben sein. Es dürfen keine Requisiten wie Kostüme oder Musikinstrumente verwendet werden. Eine Zeitbegrenzung, bei uns sind es sechs Minuten, ist einzuhalten. Über den Sieger entscheidet das Publikum.

Die Künstler messen sich deutschlandweit und sogar international. Gibt es eine Szene in Thüringen?
In Thüringen gibt es nur wenige Künstler, aber unser Verein –der highslammer e.V. – will Poetry-Slam bekannter machen. Es ist eine Form von lebendiger Literatur, die auch in der Schule funktioniert. Durch zahlreiche Veranstaltungen versuchen wir, viele Jugendliche zu begeistern. In Nordhausen sind wir jetzt zum dritten Mal. Es kamen immer rund 150 Leute in die Altendorfer Kirche. Die Stimmung war toll.

Was erwartet die Gäste in Nordhausen?
Es haben sich zwölf Künstler angesagt. Sie kommen aus dem gesamten deutschen Raum, beispielsweise aus Dortmund, Koblenz und Bonn. Die U20-Landesmeister aus Bayern und Nordrhein-Westfalen werden dabei sein. Dominik Ehrhardt, der Sieger des kürzlich in Erfurt veranstalteten Highslammer-Wettbewerbs, der halbjährig stattfindet, hat sein Kommen zugesagt. Man kann sich auf vielfältige Texte freuen. Es wird Prosa und Lyrik geben. Die Poeten haben alle schon mindestens 100 Auftritte absolviert. Ich werde den Wettstreit moderieren.

Kann jeder teilnehmen, der Lust hat, auf der Bühne seine Texte vorzutragen?

Ich habe die Poeten vorher eingeladen, weil ich sie kenne und ihre Präsenz auf der Bühne mag. Aber auch Neulinge können sich ausprobieren. Für ein bis zwei Teilnehmer halten wir Platz frei. Einfach am Abend melden oder mich vorher anschreiben. Wenn es zu viele Interessenten gibt, entscheidet das Los. In Nordhausen hatten wir jedes Mal spontane Teilnehmer und alle brachten schöne Texte mit. Von einer Szene in Nordhausen kann man aber nicht sprechen.

Das Publikum entscheidet, wer den Wettstreit gewinnt. Wie ist das organisiert?
In der Vorrunde gibt es Stimmkarten. Punkte von 1 bis 10 werden vergeben. Das wird eine richtige lyrische Kissenschlacht. Im Finale entscheiden die Zuschauer durch Applaus für ihren Liebling. Übrigens hat jeder Künstler 10 bis 20 Texte auf Lager. In Vorrunde und Finale trägt jeder unterschiedliche Stücke vor.

Was, außer der Ehre, gibt es zu gewinnen?
Preisgeld gibt es nicht. Es ist ein Hobby, denn wir sind eine Gemeinschaft. Über den Eintrittspreis decken wir die Fahrtkosten der Slammer. Außer der Ehre winkt aber eine Flasche Hochprozentiges, die der Sieger dann mit allen anderen Künstlern teilen darf. Wer von diesem Hobby lebt, finanziert es meist über Vorträge oder andere Projekte.

Sie sind der amtierende Thüringer Meister im ­Poetry -Slam. Treten Sie zur nächsten Meisterschaft im Oktober wieder an?
Nein, denn ich organisiere den Wettbewerb. Vielleicht bin ich wieder in zwei Jahren dabei. Trotzdem freue ich mich schon auf die Meisterschaft, denn der Weltmeister aus Amerika hat sein Kommen am 11. Oktober im Stadtgarten in Erfurt angekündigt.

Was macht den Reiz dieser Art von Dichtkunst aus?
Zuerst hatte ich selber nicht viel mit Literatur zu tun, aber als ich von Poetry-Slam hörte, gefielen mir der Wortwitz und die Vielfalt der Vorträge. Es ist keine Standup-Comedy, sondern anspruchsvolle Unterhaltung. Auch Rap kann dabei sein. Es ist reizvoll, es selbst auszuprobieren.

Welche Veranstaltungen plant der Verein demnächst?
Am 11. Mai sind wir in Weimar. Außerdem organisieren wir regelmäßig eine Lesebühne in Erfurt. Am 13. September werden wir im Erfurter Maislabyrinth die Thüringer U20-Meisterschaft organisieren. Zu diesem Open-Air-Wettbewerb erwarten wir mindestens 200 Zuschauer.

Hinweis: ab 18.30 Uhr findet bereits ein Poetry-Gottesdienst der Jugendkirche unter dem Motto „Hier spricht der Pfarrer in Reimen“ statt
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