Wie Anna Luise, die letzte Fürstin von Schwarzburg, Weihnachten feierte

Die Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt liebten es prunkvoll. Mit einem so reich verzierten Schlitten, wie ihn Eileen Ludwig im Schloss­museum Heidecksburg zeigt, genossen sie das winterliche Vergnügen. Foto: Ines Heyer (Foto: Ines Heyer)
So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit. Der Hofstaat derer von Schwarzburg-Sondershausen kannte das Kinderlied zwar noch nicht, wohl aber diese Vorfreude auf die Weihnachtsgaben. „Die letzte Fürstin, Anna Luise von Schwarzburg, packte die Geschenke selbst ein“, erzählt Christa Hirschler. Die Museumsleiterin im Schloss Sondershausen hat in Anna Luises Tagebüchern geblättert, um mehr über die Weihnachtsrituale am Hofe zu erfahren. „Leider steht darin nicht, was sie verschenkt hat“, bedauert Hirschler. Nur einmal, kurz nach ihrer Heirat mit Fürst Günther Victor im Jahr 1891, ist von einem Bild für ihren Mann die Rede. Hin und wieder werden auch ­Bücher als Geschenke erwähnt, aber nicht deren Titel.

 „Doch es gibt ein paar Konstante, die alle Jahre wiederkehren“, resümiert die Museumsleiterin. Zum Beispiel ließ es sich die Fürstin nicht nehmen, den Christbaum selbst zu schmücken. Dabei waren Kerzen und viel Lametta im Spiel, wie alte Fotos belegen. Zur Christmette oder Weihnachtsandacht ging Anna Luise nicht etwa in die Schlosskirche, sondern in die jeweilige Stadtkirche – je nachdem, ob sie gerade in Sondershausen oder Saalfeld weilte. Sie mischte sich gern unters Volk. Vor der eigenen Bescherung erhielten erst die Kinder der Dienerschaft ihr Geschenk. Das Fürstenpaar selbst war kinderlos. „Welche Festspeisen auf den Tisch kamen, ist nicht vermerkt“, bedauert Christa Hirschler. Wohl aber, dass man Tee und Glühwein trank.

 „Die Tagebücher von einst sind anders, als wir sie heute kennen, erklärt die Museumsleiterin „Es sind nüchterne, stichpunktartige Aufzeichnungen. Ein Tagesprotokoll – ohne Emotionen und Interpretationen.“ Aufbewahrt werden Anna Luises Tagebücher im Staatsarchiv Rudolstadt. Dort ist auch der Fotonachlass zu finden. „Einige Bilder zeigen Anna Luise, wie sie vergnügt mit ihren Hofdamen Schlitten fährt“, erzählt Christa Hirschler. In Sondershausen schlummere zwar ein Schlitten im Fundus, „aber dieses schlichte Modell hat keinen fürstlichen Bezug.“

Wahrhaft prunkvolle Schlitten dagegen sind auf der Heidecksburg in Rudolstadt zu sehen. Das Barockschloss, einst ebenfalls Residenz der Schwarzburger Regenten, hat vier reich verzierte Exemplare im Museumsbestand. Sie stammen vermutlich aus der Regierungszeit des Fürsten Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt (1721 bis 1767). Damals liebte der Hofstaat nicht nur die winterliche Ausfahrt, sondern auch das Lanzenpiel „Caroussel“, das an ein Ritterturnier erinnert. Jeanette Lauterbach vom Museum Schloss Heidecksburg erklärt es genauer: „Die Damen des Hofes mussten mit angelegter Lanze einen Ring treffen, der am Seil zwischen zwei Stangen hing. Die Dame saß dabei im Schlittenkasten, während hinter ihr der Kavalier von der Sitzpritsche aus das Pferd lenkte.“ Auch einige Lanzen können heute noch in Rudolstadt betrachtet werden. Daneben steht ein Kinderschlitten – ein Weihnachtsgeschenk für den Prinzen Ludwig Friedrich II. von Schwarzburg-Rudolstadt im Jahr 1770.

Überhaupt fielen die Geschenke am kleinen Rudolstädter Fürstenhof offenbar sehr großzügig aus. 400 Reichstaler wurden 1741 für das Fürstenpaar ausgegeben, 275 für den Erbprinzen – das belegt eine alte Rechnung. Was davon gekauft wurde, ist allerdings auch hier nicht überliefert.

Hintergrund:
• Anna Luise von Schwarzburg (1871 bis 1951) war die Frau des Fürsten Günther Victor (1852 bis 1925), des letzten Regenten der Fürstentümer Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt.
• Nach dem Aussterben der Sondershäuser Linie 1909 regierte er die beiden Fürstentümer in Personalunion bis zum Ende der Monarchie 1918.
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