Winterliche Harzreise

  - Der Harz – Thüringens Norden - Teil V -
- Die I. Harzreise des „Malers Weber“ –

Es war Ende November im Jahr 1777 , als ein 28 jähriger junger Mann, welcher am Hofe zu Weimar weilte, die Aufgabe zugeteilt bekam sich um die Bergwerke seines Herrn des Kurfürsten, Herzog Karl August von Sachsen – Weimar – Eisenach, zu kümmern. Es reifte in ihm der Plan in den Harz zu reisen, um die Bergwerke zu studieren.
Darauf hin reiste der noch junge Maler Johann – Wilhelm Weber von Weimar aus in den Harz. Des Weiteren hatte er zwei erschütternde Briefe aus Wernigerode von einem gewissen Friedrich Victor Leberecht Plessing erhalten, welcher moralische Probleme mit Goethes Werk „Die Leiden des jungen W.“ hatte. Plessing war ein Pfarrerssohn und hatte die Ilfelder Klosterschule besucht und weitere Schulen in Wernigerode und Halberstadt, so dass er nun in Göttingen Jura studieren wollte. Diesen Plessing wollte der junge Maler Johann Wilhelm Weber aus Darmstadt auf suchen und mit ihm die Probleme seiner Zeit erörtern.

Am 29. November verließ er den Jagdtross welcher zu einer Jagd in die Eisenacherwälder auf gebrochen war. Er wendete sein Pferd über die Ettersberge in Richtung Norden an Greußen vorbei in Richtung Sondershausen. Er war schon früh im Dunkeln aufgebrochen und erlebte einen herrlichen Sonnenaufgang, die im Licht leuchtenden Berge ringsum. Der Ritt ging weiter nach Sondershausen wo er sein Pferd fütterte, selbst speiste und dort nächtigte.

Dann ritt er weiter nach Norden auf Nordhausen zu. Er sah den Brocken, Kyffhäuser, den Inselsberg und den Ettersberg von Weimar. Gestern Morgen war es hartgefroren und heute hängen schwere Wolken am Himmel. Nach Mittag wälzten sich schwarze, schwere Wolken von Norden heran und es fing es an zu regnen. Sein Weg führte an der alten Reichsstadt Nordhausen vorbei auf den Harz zu. Die Nacht kam leise und traurig und die regennassen Sachen hingen, triefend am Körper, so dass er sich zu Sachswerfen einen Boten mit Laterne nehmen mußte, um durch die Finsternis nach Ilfeld zu kommen.

Er fand einen glänzend, erleuchteten, ansehnlichen Gasthof, den Stift Gasthof,(heute zur Goldenen Krone), vor. Es schien wohl ein besonderes Fest hier gefeiert zu werden. Die Kommissare der höchsten Höfe hatten wichtige Entscheidungen getroffen und beschlossen und feierten so nun ihren guten Abschluss. Der Gasthof war bis auf das letzte Lager besetzt. Der Wirt wollte Ihm keinen Einlass gewähren, jedoch auf einige Winke und Hinweise, dass man mit so einer hohen Persönlichkeit nicht so hart umgehen könnte, gewährte man ihm Einlass. Der Wirt räumte sein Privatgemach hinter einem Bretterverschlag, überzog sein eigenes Nachtlager neu mit weißen Laken und bot es dem Reisenden als Nachtlager an.

Der Fremde beobachtete die Gäste, flüchtig, beim durchschreiten des hell erleuchteten Raumes. Von seinem Nachtlager aus konnte der neue Gast, durch ein Astloch im Bretterverschlag, das Treiben und Feiern an den langen Tafeln im Gastraum sehr genau beobachten. Er verglich dieses mit der „Hochzeit von Kana“. All dieses wurde in den späteren Arbeiten des Malers Weber mit verarbeitet.

Nach einer wohl durchschlafener Nacht, ging in der Frühe um 7.00 Uhr, des 1. Dezember, die Reise mit einem Führer weiter hinauf in den Harz. Es ging durch das obere Tor, hinein in den Wald und vorbei am Ilfelder Nadelöhr. Ob der Reisende zu so früher Stunde auch dreimal oder überhaupt durch dieses Felsenöhr gekrochen ist, kann heute keiner mehr sagen. Es ging vorbei an steilen Felsen und brausenden Gewässern hinauf auf des Harzes Höhen wo er gegen Mittag in Rübeland eintraf und in die Baumannshöle hinein kroch.

Dann ging es noch weiter bis nach Wernigerode, wo er im Gasthof „Zur goldenen Forelle“ einkehrte. Hier in Wernigerode besuchte er auch den ehemaligen Schüler der Ilfelder Klosterschule „Plessing“, welcher in dem Pfarrhaus auf dem Klingt, dem ältesten erhaltenen Stadtteil von Wernigerode wohnte. Noch heute steh im „Oberpfarrkirchhof“ das Pfarrhaus in welchem Plessing wohnte. Der junge Mann vom Hofe Weimar, gab sich aber nicht zu erkennen, sondern er gab sich als Zeichenkünstler aus Gotha aus, welcher auf der Durchreise zu einer Tante war. Er überredete Plessing zu einem Spaziergang, auf welchen Plessing seine Probleme darlegte. Der Zeichner erzählte ihm, er würde Gothe kennen und hätte ihn zwei Mal in Gotha gesprochen. Er sagte er wolle anderen Tags noch einmal zu ihm kommen, aber er vermied ein weiteres Zusammentreffen und reiste weiter.

Er besuchte Goslar, den Rammelsberg das große Erzbergwerk im Harz, Ilsenburg und Clausthal. Am 10 Dezember 1777 wurde der Brocken mit Hilfe eines Försters als Führer bestiegen. Das gleißende Sonnenlicht führte später zur Aufstellung der Farbspektrums. Er ist begeistert vom Gipfel des Brockens und hinterlässt, folgende Aussage: „Ein herrlicher Ausblick, die ganze Welt in Wolken und hier oben ist es Heiter“.

Der Reisende vom Hofe Weimar machte sehr viele Notizen und Aufzeichnungen und Reise Skizzen. Er sammelte auch viele Mineralien, Eindrücke und Erfahrungen aus den Bergwerken. Nach dem er Fluchtartig Weimar verlassen hatte schrieb er erst ziemlich spät an die Charlotte nach Weimar, welche nicht wusste wo ihr Freund abgeblieben war. Erst nach dem fünften Tag traf die Nachricht bei ihr ein. Er selbst trifft am 15. Dezember in Eisenach bei der Jagdgesellschaft ein, welche ihn zu dieser Jagd mit eingeladen hatte.

Sollten Sie es immer noch nicht wissen um welche Persönlichkeit des Weimarer Hofes es sich hier handelt, dann schauen Sie einmal in die Unterlagen von Gothe, in welchem Jahr er seine I. Harzreise unternommen hat und in welcher Jahreszeit? Es handelt sich hier um eine „Verbindung der Weltliterarur“, zwischen Thüringen und dem Harz, sowie der Südharz Gemeinde Ilfeld, wo der Dichterfürst Johann Wolfgang v. Gothe, ein interessantes Fest durch ein Astloch, in einer Bretterwand, beobachten konnte.
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2 Kommentare
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Hannelore Grünler aus Artern | 26.01.2012 | 20:03  
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Petra Seidel aus Weimar | 27.01.2012 | 17:49  
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